Iranischer taekwondo-kämpfer hadi tiranvalipour: zwischen freiheit und repression

Hadi Tiranvalipour, einst Hoffnungsträger des iranischen Taekwondo und Fernsehmoderator, musste sein Leben für die Freiheit opfern. Nach öffentlicher Unterstützung der Frauenproteste im Iran verlor er alles – seine Karriere, seinen Job und schließlich seine Heimat. Nun kämpft er in Italien um eine neue Zukunft, während er die dramatischen Ereignisse in seinem Geburtsland aus der Ferne verfolgt.

Die gespaltene nation: fußball als spiegelbild der konflikte

Die Weltmeisterschaft in den USA wirft einen langen Schatten auf den Iran, nicht nur auf dem Spielfeld. Die Unterstützung oder Ablehnung der Nationalmannschaft ist zum Politikum geworden, ein deutliches Zeichen für die tiefe Spaltung innerhalb der Gesellschaft. Tiranvalipour, der heute in Rom lebt und Taekwondo unterrichtet, spricht Klartext: „Die Mannschaft, die dort spielt, repräsentiert nicht das iranische Volk, sondern die Regierung.“

Er erinnert an Sardar Azmoun, einen bekannten Fußballspieler, der sich öffentlich für die Proteste eingesetzt hat und nun nicht mehr zum Kader gehört. „Er ist stark, aber gerade weil er das Volk unterstützt, ist er nicht dabei. Es wurden 40.000 Iraner getötet, und niemand von den Nationalspielern hat ein Wort der Solidarität gesagt. Wie soll ich diese Mannschaft unterstützen?“

Für Tiranvalipour ist die Entscheidung, die Nationalmannschaft boykottieren zu lassen, verständlich. „Wir hätten teilnehmen sollen, aber nicht mit dieser Mannschaft. Sie repräsentiert uns nicht – genauso wenig wie die Flagge, die der Iran bei der WM verwendet. Unsere Flagge ist die alte, mit dem Löwen und der Sonne.“

Ein leben in der ungewissheit: die sorgen für die familie

Ein leben in der ungewissheit: die sorgen für die familie

Die indirekten Folgen seiner öffentlichen Haltung treffen Tiranvalipour auch heute noch. Seine Familie in Iran steht unter Druck, und er trägt die Sorge um sie mit sich herum. „Viele Menschen schweigen aus Angst, während diejenigen, die sprechen, um ihr Leben fürchten.“ Die Entscheidung, das Land zu verlassen, war daher nicht leicht, aber notwendig.

„Ich war ein Nationalkämpfer und Fernsehmoderator. Nachdem ich meine Unterstützung für die Proteste öffentlich erklärt hatte, wurden mir alle Türen verschlossen. Ich wurde entlassen, meine sportliche Karriere zerstört, meine Studien abgebrochen. Ich wusste, dass ich gehen musste.“

Von rom nord zu olympischen träumen: eine zweite chance

Von rom nord zu olympischen träumen: eine zweite chance

Die Ankunft in Italien war alles andere als einfach. „Ich habe zehn Tage im Wald bei Rom Nord geschlafen, dann Monate auf dem Sofa. Ich habe als Tellerwäscher in einem Restaurant gearbeitet. Es war eine Herausforderung, jeden Tag zu überleben.“ Doch der Taekwondo-Sport gab ihm Halt und neue Perspektiven. „Er hat mich gerettet, mich dazu gebracht, nicht aufzugeben.“

Dank der Unterstützung der Federazione Italiana Taekwondo (Fita) und des Ministers Abodi erhielt er den Status eines Flüchtlings. „Sie haben mir eine zweite Chance gegeben. Ich kannte nicht einmal die Sprache, aber sie haben mich mit Menschlichkeit, Respekt und Vertrauen aufgenommen.“

Mehr als nur ein sport: ein hoffnungsträger für flüchtlinge

Mehr als nur ein sport: ein hoffnungsträger für flüchtlinge

Für Tiranvalipour ist Taekwondo mehr als nur ein Sport – es ist eine Lebensschule. „Er hat mir Vertrauen und Respekt gelehrt.“ Seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris mit der Mannschaft der Flüchtlinge war ein emotionaler Moment. „Als ich das Grand Palais betrat, war es unmöglich, die Emotionen zurückzuhalten. Ich konnte nicht unter meiner Flagge kämpfen, aber die Unterstützung der Menschen gab mir enorme Kraft.“

Er sieht seine Rolle als Teil der Flüchtlingsequipe als eine Verpflichtung. „Es geht nicht mehr nur um mich, sondern um 120 Millionen Menschen, die ihre Normalität verloren haben. Wir kämpfen für eine bessere Zukunft.“ Er blickt nach Los Angeles 2028, wo er seine Karriere mit einer olympischen Medaille abschließen möchte. „Ich hoffe, dass ich eines Tages für einen anderen Iran kämpfen kann – einen Iran, der wirklich alle vereint.“

Ein Traum, der in der Ferne, in Rom, genährt wird, während die Verhandlungen zwischen Iran und den USA in der Schweiz weitergehen und die Ungewissheit für das iranische Volk anhält. Aber Hadi Tiranvalipour gibt nicht auf. Er ist ein lebender Beweis dafür, dass selbst in den dunkelsten Zeiten die Hoffnung auf Freiheit und Würde bestehen kann.