Iraks kicker fliegen durch kriegszone zum wm-traum
Ein Privatjet soll die irakische Nationalmannschaft in die Luft bringen – mitten in einer Region, in der sonst nur Kampfjets kreisen. Am 31. März will der Verband in Monterrey gegen Bolivien oder Suriname um das letzte WM-Ticket kämpfen, das seit 1986 an keinen irakischen Spieler mehr ging.
Die logistik hinter der irrfahrt
Luftraum gesperrt, Flughäfen bombardiert, Vereine zögern – Adnan Dirjal, Präsident des irakischen Verbandes, musste diese Woche mehr Telefonate führen als ein Krisenmanager. FIFA-Sondergenehmigung, Klub-Deals, Sicherheitsgarantien: «Wir haben alle Register gezogen», sagt er, nachdem er die Freigabe für einen Charterflug von Amman nach Mexiko durchgeboxt hat. Die Spieler, verstreut zwischen Katar, Europa und Saudi-Arabien, sollen in Jordanien zusammenkommen und von dort aus der Kriegszone entfliegen.
Graham Arnold, seit Januar Coach der Löwen Mesopotamiens, blickt auf einen Kader, der sich täglich verändert. Drei Profis aus der saudischen Pro League drohten mit Verweigerung, zwei U-23-Talente aus Bagdad haben noch keine US-Visa, weil die Botschaft im Februar dicht machte. «Wir planen mit 26 statt 23 Leuten», sagt Arnold, «weil ich nicht weiß, wer am Ende wirklich im Flieger sitzt.»

Frankreich, senegal, norwegen warten bereits
Sollte der Plan aufgehen, rutscht Irak in Gruppe I, wo Weltmeister Frankreich, Afrikameister Senegal und Norwegen mit Haaland und Co. lauern. Die Auslosung ist für die Spieler Nebensache – sie wollen nur an den Start. «Erstmal Mexiko überstehen», sagt Kapitän Jalal Hassan, Torwart bei Al-Quwa Al-Jawiya, «dann sehen wir weiter.»
Die Chancen stehen nicht schlecht: Bolivien reist ohne Heimhöhe, Suriname ohne europäisches Kaliber. Irak dagegen hat eine Defensive, die in der Qualifikation nur zwei Gegentore kassierte – beide in der Nachspielzeit. Das Mittelfeld um Ali Adnan und Mohanad Ali liefert die Tore, die Defensive um Hassan die Ruhe. Die Mischung könnte reichen, um 40 Jahre WM-Abstinenz zu beenden.
Am 1. April, so der Plan, soll die Mannschaft wieder in Amman landen – mit dem Ticket in der Tasche oder mit dem Traum, der erneut zerschlagen ist. Dirjal hat schon einen zweiten Charter gebucht. «Nur für den Fall», sagt er und lacht bitter. Denn in dieser Region ist das einzige, was sicher ist, dass nichts sicher ist.