Inter-training im mini-kader: mkhi erholt sich, lautaro sprintet allein

Appiano Gentile – ein Stadion, fast leer. Zwölf Nationalspieler fehlen, der Rest stapft über den Rasen. Henrikh Mkhitaryan steht mittendran, trägt Kurzhosen und ein Grinsen, das Monate der Frustration versiegeln soll. Der 35-jährige Armeer will endlich die linke Oberschenkel-Sehne abschütteln, die ihn seit Wochen lahmt.

Trainer Cristian Chivu kann die Übungseinheit kaum als Mannschaftstraining bezeichnen. Zwölf Profis sind unterwegs mit ihren Ländern, die übrigen zwölf – darunter fünf Talente aus der U23 – bilden eine improvisierte Truppe. Lautaro Martínez lauert am Seitenrand, sprintet Solo-Runden, soll Anfang April wieder ins Kollektiv einsteigen. Mkhi dagegen absolviert schon Passspiele, Ballgewöhl, Tempodrills. „Er spürt kein Brennen mehr“, flüstert ein Physio, „aber der Zeitplan ist ein Feind, der nicht verhandelt.“

Warum die rückkehr ein wettlauf gegen die uhr bleibt

Die Serie A startet am 31. März durch, Inter gastiert am Ostersonntag bei der Roma. Drei Punkte Vorsprung auf Mailand, fünf auf Juventus – ein Fehlstart würde die Meisterfrage wieder offnen. Genau deshalb verzichtete Mkhitaryan sogar auf den freien Tag, den Chivu dieser Woche gewährte. Während andere abschalten, schuftet der Mittelfeldstratege mit Medizinball und Reaktionslichtwand.

Die medizinische Abteilung nennt keinen Termin, intern kursiert „frühestens Mitte April“. Ein Einsatz gegen Roma gilt als äußerst unwahrscheinlich. Die Befürchtung: zu frühe Belastung, Nachriss, Saisonende. Die Hoffnung: das Playoff-Viertelfinale der Champions League, sollte Inter gegen Atletico weiterkommen. „Er trainiert, als wäre schon Mai“, sagt Chivu trocken. Die Wahrscheinlichkeit, ihn vor dem CL-Rückspiel (10. April) zu sehen, taxiert der Klub auf unter 30 Prozent.

Die Kids halten die Stellung. Spinaccè, Bovo, Maye, Kaczmarski – Namen, die noch kein Fan auf der Rückseite seines Trikots trägt, sorgen für Laufstatistiken, die Gamer-Avataren gleichen. Ihre Aufgabe: Tempo vorgeben, damit die Routiniers nicht in Winterloch-Modus verharren. „Wir simulieren Hochgeschwindigkeitsangriffe, damit die Abwehr nicht einschlummert“, erklärt Co-Trainer Massimiliano Farris.

Chivus oster-test: roma kommt, die saison kippt oder stabilisiert sich

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Ein Sieg in der Hauptstadt würde Inter auf 71 Punkte katapultieren, Juventus maximal auf 66 abstandsfähig zurücklassen. Eine Niederlage aber – bei gleichzeitigem Mailand-Sieg – schrumpft den Vorsprung auf zwei Zähler. Das Restprogramm: Derby, gegen Milan, bei Neapel. „Wir haben keine Luft mehr“, sagt Sportdirektor Piero Ausilio im Kurzinterview, „aber wir haben noch die besten Spieler, wenn alle fit sind.“

Mkhi gehört dazu. Sein Trainingsfleiß ist Legende, seine Knie-Statistik ein Horrorfilm: Kreuzband, Meniskus, Oberschenkel-Sehne – zweimal rechts, einmal links. „Jede Pause frisst Monate, aber das Mindset bleibt“, sagte er vor zwei Jahren dieser Redaktion. Genau diesen Stolz will er jetzt zurück auf den Platz tragen.

Am Samstag und Sonntag ruht der Ball, Chivu genehmigt freie Tage. Montag kehren die Nationalspieler zurück, dann entscheidet sich, ob Mkhitaryan den Sprung in die Vollbelastung wagt. Die Uhr tickt. Die Roma wartet. Und Inter? Inter kann sich keinen weiteren Patzer leisten. Der März endete ohne Sieg – der April muss die Rechnung begleichen.