Anjorin und casadei: d'aversas heimliches frühjahrs-ass im turiner mittelfeld

Die Länderspielpause ist kein Störfaktor, sondern die Chance für zwei vergessene Namen. Im leeren Filadelfia sprinten Tino Anjorin und Cesare Casadei um jeden Meter, während ihre Kollegen in fernen Kontinenten Nationaltrikots tragen. D'Aversa schaut zu – und beginnt, sein Schachbrett neu aufzustellen.

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D'aversa plant 3-4-2-1 – mit casadei als hängender spitze neben vlasic

Der Plan steht auf dem Whiteboard, nicht mehr nur in seinen Gedanken: Casadei rückt vom defensiven Mittelfeld ins Zentrum der Gegners, Vlasic bleibt der liberale Zehner. Das Duo soll im 3-4-2-1 die letzte Pressinglinie bilden, Torino aus dem Kollektiv heraus zum Torabschluss bringen. Die Zahlen sprechen für das Experiment – vier Tage hat der 21-jährige Romagnolo in dieser Saison bereits erzielt, drei davon nach Standards. Seine Kopfballquote liegt bei 71 Prozent gewonnenen Zweikämpfen im offensive Drittel, ein Wert, den sonst nur Stürmer vorweisen.

Anjorin wiederum ist der Turbo, den D'Aversa seit Prato vermisst. Die Adduktorenprobleme sind Geschichte, die GPS-Daten zeigen Höchstwerte bei Sprintzahl und Intensität. „Er trainiert auf Premier-League-Niveau“, sagt ein Betreuer. D'Aversa kennt ihn vom gemeinsamen Jahr in Empoli, wo er den Briten schon als Box-to-Box-Player nutzte. Jetzt soll Anjorin die rechte Seite im Mittelfeld-Rautenpaar übernehmen, Ilkhan und Prati auf der Bank drängen.

Die restliche Mannschaft reist nach internationalen Einsätzen erschöpft zurück, die beiden Nicht-Nationalspieler haben sich frisch gemacht. Im Saisonendspurt zählt jede Minute, jede Idee. D'Aversa will mit Rotation punkten, um den fünften Platz noch zu erreichen. Die nächsten Gegner Atalanta und Bologna setzen auf hohe Laufleistung – genau die Variable, die Anjorin und Casadei jetzt liefern können.

Die Uhr tickt. In zwei Wochen steht das Spitzenspiel in Florenz an. Wer bis dahin überzeugt, spielt. Wer nicht, sitzt. Die Länderspielpause endet, das Frühjahrsduell um Aufstellung und Prestige beginnt. Torino wirft seine letzten zwei Joker aufs Feld – und sieht sie endlich aufleben.