Inter stolpert in florenz: thurams tiefschlaf und barellas bock
Zwei Punkte aus den letzten drei Spielen, vier Pflichtspiele ohne Sieg – die Inter-Mailand-Express ist bei voller Fahrt auf ein Signal gesetzt, das keiner mehr überhört. In Florenz schlichen die Nerazzurri wie ein entzauberter Riese vom Platz, und Aleksandar Kolarov musste nach seiner Première als Chefcoach zugeben, was jeder Zuschauer sah: „Wir sind müde.“
Kolarovs erste diagnose trifft den nagel auf den kopf
Doch hinter der Erschöpfung lauert eine strukturelle Erschütterung. Der Meister von der Föhre, noch vor Wochen sicher in der Verteidigung, wirkt wie ein Flugzeug, das nur noch per Zufall in der Luft bleibt. Die Triebwerke – einst Dimarco und Zielinski – laufen auf Sparflamme, die Führungsspitze fehlt ganz. Ohne Lautaro Martínez erzielte Inter in den vergangenen sechs Partien nur einmal mehr als ein Tor, und selbst das war ein Elfmeter gegen Genua.
Der Mann, der den Faden reißen sollte, trägt die Nummer 9 und den Namen Marcus Thuram. Statt der erhofften Torjäger-DNA lieferte der Franzose zuletzt nur Schattenläufe. Gegen die Fiorentina war er nach 63 Minuten vom Platz, ohne je gefährlich geworden zu sein. Drei Liga-Treffer seit Jahresbeginn – ein Angriffskraftwerk mit Stromausfall. Intern wird bereits über einen möglichen Verkauf diskutiert, sollte der Abwärtstrend anhalten.

Barella liefert das beweisstück für ein team auf abruf
Noch bitterer: Nicolò Barella, sonst Antreiber, lieferte mit einer unbedachten Ballverlust-Statistik das 1-1 auf dem Silbertablett. Sein Zuspiel in den Lauf von Nicolò Fagioli war gleichzeitig sein siebter Assist dieser Saison – Statistik als Schönwetteranalyse, wenn das Ergebnis nach 93 Minuten 1-1 steht. Die Fiorentina-Fans feierten ihren Neuzugang, Inter-Anhänger dagegen twitterten nur noch „Siamo cotti“ – wir sind durch.
Christian Chivu, von der Tribüne aus gesperrt, hatte die Gefahr geahnt. In der Länderspielpause plante das Trainerteam Intensivblock und Krafttests, doch die Wirkung blieb aus. Jetzt verlieren die Mailänder ihre Schlüsselspieler an nationale Teams, während die Konkurrenz aus Mailand und Neapel die Lücke auf je drei Punkte verkürzt hat.
Die einzige Hoffnung trägt die Kapitänsbinde: Lautaro kehrt am Osterwochenende gegen die Roma zurück. Ohne ihn wirkt Inter wie ein Film ohne Hauptdarsteller – spannend, aber ohne Happy-End in Sicht. Die Meisterschaft ist noch nicht verloren, aber das Selbstvertrauen der Meister ist längst angeknackst. Wenn die Maschine nicht bald wieder auf Touren kommt, droht der Notlandeplatz schon vor dem Final des Abstiegs aus der Spitzengruppe.
