Inter steht vor dem großen umbruch: sechs stars droht das aus
Yann Sommer packt die Hände in die Taschen, schaut über das Trainingsgelände von Appiano Gentile und weiß: In vier Monaten kann alles vorbei sein. Der 36-Jährige ist nur eine von sechs Leuchten, deren Vertrag im Juni 2025 erlischt – und die Mehrheit wird nicht verlängert.
Sommer, acerbi, mkhitaryan: die garde räumt den platz
Inter Mailand schreibt derzeit die Serie A an, doch hinter der Fassade arbeitet ein heimlicher Abwicklermechanismus. Laut Gazzetta dello Sport verabschieden sich Sommer, Acerbi, De Vrij, Darmian und Mkhitaryan mit höchster Wahrscheinlichkeit. Nur Raffaele Di Gennaro, dritter Keeper und ehemaliger Primavera-Sieger, bleibt als Leibwächter der Infrastruktur.
Die Zahlen sind gnadenlos: 217 Einsätze, 12 Tore, drei Meisterschaften – und ein durchschnittliches Alter von 34,8 Jahren. Das Management um Giuseppe Marotta hat intern längst die Notbremse gezogen. Wer nach 30 Lebensjahren keine Doppelbelastung aus Champions League und Titelkampf mehr durchsteht, fliegt aus dem Kalkül.
Doch vor dem Sommerloch wartet noch ein Herzstück: Die Scudetto-Jagd. Simone Inzaghi trommelt die Veteranen zusammen, um die achte Meisterschaft in der Klubhistorie perfekt zu machen. „Wir sind alt, aber nicht leblos“, sagte er nach dem 2:0 gegen Monza – ein Satz, der wie ein Abschiedskuss klingt.

Vicario für 30 millionen: die nachfolge beginnt im tor
Schon jetzt kursiert der erste Name für die Revolution: Guglielmo Vicario. Der Italiener hütet zwar derzeit das Abstiegskeller-Tor von Tottenham, doch Inter sieht in ihm den modernen Nachfolger für Sommer. Ablöse: 25 bis 30 Millionen Euro, Vertrag bis 2028. Hinter Vicario lauern weitere Kandidaten: Joel Ordoñez (21, Brügge) und Tarik Muharemovic (Sassuolo) sollen die Innenverteidigung verjüngen.
Ein Transfer ist bereits in trockenen Tüchern: Manuel Akanji wird für 15 Millionen aus der Leihoffensive geholt. Die Ablösezahl ist fix, das Schweizer Nationalteam bekommt damit einen weiteren Akteur in den Reihen der Nerazzurri.

Calhanoglu-zwischenfall: türkei lockt, vertrag droht
Bei aller Trennungstraurigkeit ragt ein Name heraus: Hakan Calhanoglu. Der 31-jährige Mittelfeldstratege ist zwar bis 2027 an Inter gebunden, doch drei Verletzungen in dieser Saison haben seine Widerstandskraft in Frage gestellt. Dazu der Dauerbrenner Galatasaray: Präsident Abdullah Kavakci wiederholte unlängst bei der Gazzetta sein Mantra: „Hakan wird eines Tages für uns spielen.“
Die Türken bereiten im Sommer den nächsten Angriff vor. Inter dagegen plant mit ihm, solange die Knie halten. Ein Wechsel würde die Mittelfeldachse entzweien, weil Mkhitaryan ohnehin geht und nur Henrikh Mkhitaryan als Ersatz käme – ein Schachzug, der die Meisterschaft gefährden könnte.

Stankovic jr.: der sohn der legende kehrt heim
Der letzte Akt der Neugestaltung trägt einen berührenden Namen: Dejan Stankovic Jr., 20 Jahre, sieben Tore, fünf Assists in 47 Spielen für Brügge. Inter hält eine Rückkaufoption über 23 Millionen Euro bereit, 2027 steigt die Summe auf 25. Geboren in Mailand, aufgewachsen in den Inter-Jugendheimen, schwärmt er öffentlich: „Ich will nach San Siro zurück.“
Die Rückkehr des Sprösslings könnte das emotionale Aushängeschild des Umbruchs werden. Während die alten Krieger Abschied nehmen, schickt der Klub ein neues Banner ins Rennen: Jung, lokal, hungrig.
Am Ende bleibt eine einzige Gewissheit: Inter wird 2026 kaum wiederzuerkennen sein. Die zweite Stern-Saison war die Krönung, die dritte wird die Probe aufs Exempel. Wer dann die Hand aufs Herz legt, spürt den Puls eines Clubs, der nie stillsteht – auch wenn das bedeutet, Legenden ziehen zu lassen.
