Iniesta jubelt mit seinem radteam auf montjuïc – zweiter sieg in der volta

Andrés Iniesta saß nicht in der Arena, sondern im Direktorenwagen, als Brady Gilmore auf Montjuïc die Hügelrunde zur Sprintarena umfunktionierte. Der Australier schlug Dorian Godon und Evenepoel in der letzten Meter-Achterbahn – für NSN Cycling den zweiten Etappencoup innerhalb von fünf Tagen.

Der spanier ließ sich nicht nur feiern, er feierte selbst

Vor dem Start hatte Iniesta noch Autogramme verteilt, dann schwang er sich ins Teamfahrzeug von Sportdirektor Óscar Guerrero. Von dort aus hörte er das Knacken der Ketten und das Aufheulen der Fans, als Gilmore die letzte Rechtskurve mit 62 km/h nahm und durch die Öffnung raste. Die Zahlen sind klein, die Wirkung groß: zwei WorldTour-Etappensiege in einer einzigen Rundfahrt, dazu vier weitere Siege seit Saisonbeginn.

Die Rechnung dahinter ist denkbar einfach: Iniesta liefert das Gesicht, Stoneweg das Kapital, NSN die Netzwerke. Was auf dem Papier nach Marketing klingt, funktioniert auf der Straße wie ein Uhrwerk. Ethan Vernon hatte in Camprodón bereits den Startschuss gegeben, Gilmore lieferte in Barcelona den Endspurt. «Wenn der Mann mit dem Rennpuls am Funk sitzt, spürt die Mannschaft das», sagte Teammanager Rolf Aldag. Gemeint ist der 39-jährige Welt- und Europameister, der seit Januar Co-Eigentümer des Schweizer Kontinentalteams ist.

Pedro delgado kam vorbei – und grinste

Pedro delgado kam vorbei – und grinste

Der ehemalige Tour-Sieger schüttelte Iniesta die Hand wie einen alten Kumpel. Beide wissen, wie sich SiegerDNA anfühlt. Delgado gewann 1988 das Gelbe Trikot, Iniesta 2010 das WM-Finale. Jetzt teilen sie sich ein anderes Podium: das mobile Büro auf Rädern. «Er versteht, dass Radsport kein Spaß ist, sondern ein Business mit Herz», sagte Delgado später. Der Beweil liefert sich in Zahlen: sechs Siege, drei WorldTour, 28 Podestplätze – und die Saison ist noch nicht mal halb.

Die Jungs von NSN fahren nicht nur schnell, sie verkaufen die Geschwindigkeit mit Geschichten. Iniesta liefert die Story, die Marke liefert die Bilder. Sponsoren sprechen von «emotionaler Rendite», Analysten von «multiplikativem Medienecho». Übersetzt heißt das: Ein Instagram-Post mit Iniesta und Gilmore erreicht mehr Interaktionen als manche Bundesliga-Vereine in einem ganzen Spieltag.

Am Montjuïc stehen noch die Trikots zum Trocknen auf den Stühlen. Iniesta steigt aus dem Wagen, klopft Gilmore auf die Schulter. Keine Rede, kein Mikrofon. Nur ein Satz: «Nächste Woche in Rom gibt es noch mehr». Dann verschwindet er zwischen Teamwagen und Zaun. Die Fans rufen nicht nach Selfies, sie rufen nach dem nächsten Sieg. Die Rechnung geht auf – und Iniesta hat schon den Taschenkalter für die Giro-Etappen gezückt.