Infantino strebt nach macht: wiederwahl zum fifa-präsidenten ohne gegenkandidaten?

Die Fußballwelt steht vor einer scheinbar unausweichlichen Bestätigung: Gianni Infantino wird voraussichtlich auch im kommenden Jahr erneut zum FIFA-Präsidenten gewählt. Bei einem Kongress in Vancouver hat der Schweizer seine Ambitionen öffentlich erklärt, was die Frage aufwirft, ob seine Herrschaft über den Weltfußball tatsächlich so unangefochten ist, wie es die aktuelle Situation suggeriert.

Die unterstützung der großen fußballverbände

Die unterstützung der großen fußballverbände

Die Unterstützung von Infantino durch einige der mächtigsten Fußballverbände ist frappierend. Die südamerikanische (CONMEBOL), die afrikanische (CAF) und die asiatische (AFC) Konföderation haben ihre Loyalität bereits öffentlich erklärt. Betrachtet man die Stimmenverteilung, wird deutlich, dass Infantino über eine erhebliche Mehrheit verfügt – 100 Stimmen aus Afrika und Asien, plus zehn aus Südamerika. Das lässt wenig Raum für Zweifel.

Doch hinter dieser scheinbaren Einigkeit verbergen sich auch Fragen. Einige Beobachter bemängeln eine zunehmende Abkehr von den Reformen, die 2016 unter Joseph Blatter initiiert wurden. Infantino, der Blatter 2016 ablöste und seitdem ohne nennenswerten Widerstand im Amt verharrt, hat seine Position im Weltfußball durch eine Reihe von strategischen Entscheidungen gefestigt. Rekordeinnahmen der FIFA unterstreichen seinen Erfolg, doch der Preis dafür könnte die Transparenz und Unabhängigkeit der Institution sein.

Kritik aus den eigenen Reihen

Die UEFA, Europas größter Fußballverband, hat sich bisher nicht klar positioniert. Das Schweigen könnte ein Zeichen der Unsicherheit sein, oder ein kalkulierter Schachzug im politischen Ringen um die Vorherrschaft im Weltfußball. Infantino selbst prahlt mit dem Einfluss der FIFA und bezeichnet die Organisation als „definitiv eine respektierte und vertrauenswürdige Organisation“, die „an den wichtigsten Tischen“ sitzt.

Die Nähe Infantinos zu politischen Figuren, insbesondere zu Donald Trump, hat ebenfalls für Kontroversen gesorgt. Eine Beschwerde der Organisation Fair Square wegen möglicher Verstöße gegen die politische Neutralität der FIFA liegt vor, und der norwegische Verband unterstützte diese Beschwerde als einziger der 211 FIFA-Mitgliedsverbände. Ein subtiler Hinweis auf die wachsende Skepsis in Teilen der Fußballfamilie.

Seine aktuelle Amtszeit, die bis 2031 andauern könnte dank einer umstrittenen Statutenänderung, dürfte seine letzte sein, zumindest nach heutigem Stand. Es bleibt abzuwarten, ob sich trotz der erdrückenden Mehrheit und der scheinbar unerschütterlichen Unterstützung ein Gegenkandidat findet, der bereit ist, die Herausforderung anzunehmen und Infantinos unangefochtene Herrschaft in Frage zu stellen.