Neuer: mentor oder konkurrent? kahn, weidenfeller und mustafi äußern zweifel
München – Manuel Neuer steht vor einer Zerreißprobe. Sollte der Torwart-Titan seinen Vertrag beim FC Bayern über 2027 verlängern, droht ihm eine ungewohnte Rolle: die des Mentors für Jonas Urbig. Doch nicht jeder ist von diesem Plan begeistert. Oliver Kahn, Roman Weidenfeller und Shkodran Mustafi sehen erhebliche Hürden in der vermeintlichen Job-Sharing-Lösung.
Kahn: „neuer will 60 spiele“
Die Skepsis beginnt ganz oben. Oliver Kahn, der selbst eine Legende im Tor des FC Bayern ist, äußerte sich in der Sky-Sendung „Triple“ deutlich: „Das wird sicherlich nicht ganz einfach, das mit Manuel. Er würde am liebsten wahrscheinlich nochmal 60 Spiele pro Saison machen.“ Der ehemalige Vorstandsvorsitzende scheint zu wissen, dass Neuer, trotz seines fortgeschrittenen Alters von 40 Jahren, noch lange nicht bereit ist, die Notbremse zu ziehen.
Die Idee, Neuer und Urbig Spielzeit aufzuteilen, wird vor allem durch die Ambitionen des Routiniers auf die Probe gestellt. Uli Hoeneß hatte die Hoffnung geäußert, Urbig so zum künftigen Bayern-Keeper zu formen, wie es bei anderen Talenten schon funktionierte. Aber die Realität sieht anders aus.

Mustafi: „schwierig, abkommen zu treffen“
Auch Shkodran Mustafi, Neuers früherer DFB-Kollege, sieht die Sache kritisch. „Es ist schwierig, irgendwelche Abkommen zu machen“, so der Weltmeister von 2014. Er betonte, dass ein solches Vorhaben einen „verdammt guten Plan dazu“ erfordert. Eine einfache Aufteilung der Spiele erscheint ihm unrealistisch und potenziell destabilisierend für das Team.
Roman Weidenfeller, einst Neuers Konkurrent beim BVB, vermutet, dass der Verein Neuer eine klare Bedingung auferlegt hat: „Ich glaube schon, dass der Verein Bayern München ihm das auch nahegelegt hat, dass es nur so funktioniert, dass auch Jonas seine Spielanteile bekommt.“ Er glaubt, dass die Verantwortlichen in München eine Einigung erzwingen wollen, um der Zukunft des Vereins Rechnung zu tragen. Allerdings hält Weidenfeller eine vertragliche Festlegung der Spielanteile für unwahrscheinlich.
Die bisherige Saison zeigt ein anderes Bild: Urbig kam in 16 Spielen zum Einsatz, meist als Ersatz, wenn Neuer verletzungsbedingt ausfiel. Diese Erfahrung ist wertvoll, reicht aber kaum aus, um ihn als gleichwertigen Konkurrenten für Neuer zu etablieren.
Die Verhandlungen zwischen Neuer und dem FC Bayern dauern an. Thomas Kroth, Neuers Berater, war am Donnerstag am Trainingsgelände der Bayern anwesend. Die Gespräche sollen sich um die Details der Vertragsverlängerung drehen, insbesondere um die Rolle Neuers in der kommenden Saison. Max Eberl, der neue Sportvorstand, hatte bereits angedeutet, dass Neuer „keine großen Argumente mehr liefern“ müsse, um seinen Verbleib zu rechtfertigen.
Doch die Stimmen von Kahn, Weidenfeller und Mustafi deuten darauf hin, dass der Weg zu einer harmonischen Koexistenz von Neuer und Urbig noch lang und steinig ist. Die Frage ist, ob Bayern München es schafft, beide Torhüter zu versöhnen und einen Plan zu entwickeln, der sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft des Vereins berücksichtigt. Der Druck liegt auf den Schultern der Verantwortlichen, einen Weg zu finden, der weder Neuer noch Urbig verprellt und gleichzeitig den sportlichen Erfolg des FC Bayern nicht gefährdet.
