Infantino sitzt in mexiko: irans wm-teilnahme steht auf messers schneide

Gianni Infantino blickt nicht einfach nur auf einen Freundschaftskick. Er starrt auf ein Pulverfass. Iran gegen Costa Rica in Mexiko-Stadion, 0:0, 90 Minuten lang nichts von Bedeutung – und doch kann von dieser Partie die gesamte Planung der WM 2026 abhängen.

Der plan a hat keinen plan b

Die FIFA-Chefetage schwört seit Wochen auf „nur eine Lösung“: Iran muss im Juni in den USA spielen, obwohl das Land sich weigert. Sanktionen, Geiselnahmen, Drohnen – das Außenministerium in Washington bremst. Infantino braucht einen Stellvertreter, der die USA ausschaltet und trotzdem Gastgeber bleibt. Mexiko ist dieser Ersatzmann.

Die Rechnung: Mexiko-Stadt übernimmt Irans Gruppenspiele, verlagert sie ins Azteken-Stadion, das ohnehin schon für die Eröffnung vorgesehen war. Sheinbaum bekommt zusätzliche Matches, Infantino entgeht einem Boykott, und die US-Behörden sparen sich Sicherheitsaufwand. Klingt einfach, ist es nicht.

Ein freundschaftsspiel als hochgeschwindigkeitsprobe

Ein freundschaftsspiel als hochgeschwindigkeitsprobe

Warum also dieses 1:1 gegen Costa Rica? Weil es die einzige Generalprobe ist, bei der Stadien, Zoll, Polizei und Anti-Frauen-Proteste gleichzeitig getestet werden. Die Iraner trugen schwarze Armbänder für die Opfer von Minab – ein Zeichen, das in Los Angeles vermutlich verboten wäre. In Mexiko ging es durch. Das protokollierte Infantino minutiös.

Die Logistik ist längst im Hinterzimmer durchgeplant: Iran reist über Doha ein, spielt in Guadalajara, trainiert in Cancún. Die Fans kommen ohne ESTA-Visa. Die TV-Rechte verkauft FIFA an arabische Netzwerke, die US-Kollegen übernehmen nur Highlights. Alles andere wäre politisch zu heiß.

Ein termin, zwei krisen

Ein termin, zwei krisen

Parallel verhandelt Infantino mit Sheinbaum über die Eröffnungsfeier. Er will Mariachis, Azteken-Trommeln und ein Guinness-Rekordversuch für das längste menschliche Stadionmosaik. Sheinbaum will Garantien für 400 zusätzliche S-Bahn-Waggons und ein VIP-Programm für 15 000 Delegierte. Beide wissen: Scheitert der Iran-Deal, fallen auch die Extrazugslinien flach.

Die Uhr tickt. Am 15. Dezember muss FIFA den endgültigen Spielplan verkünden. Bis dahin muss das State Department grünes Licht geben – oder endgültig rot. Infantinos letzte Waffe: Drohung, Irans Spiele komplett nach Katar zu verlegen. Das würde die US-Ticketverkäufe um 12 % einbrechen. Ein Schaden von 450 Millionen Dollar. Die Zahl steht auf seinem Notizblock, unterstrichen zweimal.

Er verlässt das Stadion mit leerem Blick. Die Partie endet 1:1, aber das Ergebnis steht auf einem anderen Blatt: noch 28 Tage, um den Iran in die USA zu bugsieren – oder die WM 2026 neu zu erfinden. Infantino wird nicht schlafen. Mexiko schon.