Ilary blasi kehrt zurück: das neue grande fratello vip startet mit promi-geballer
Kurz vor Mitternacht schlug die Stunde der Super-Ilary: Ilary Blasi betrat wieder die Bühne, die sie zwischen 2016 und 2018 zum Quotenrenner machte. Am 17. März flimmert die neue Staffel von Grande Fratello Vip über Canale 5 – und die Kandidatenliste liest sich wie ein Who-is-Who italienischer Talkshows, Polit-Provokateure und TikTok-Provokation.
Die Sendung beginnt um 21.25 Uhr, doch die ersten Promis haben die berüchtigte Glashütte schon vorab bezogen. Produzenten wollten so verhindern, dass der Lockdown-Alltag die Social-Media-Aufmerksamkeit der Kandidaten abkühlt. Eine Wette, die aufgeht: die Hashtags #GFVIP und #BlasiRitorno trenden seit Tagen auf italienischen Twitter-Charts.
Antonella elia, alessandra mussolini und ein youtuber mit strafregister
Die große Fangemeinde der Trash-Queen Antonella Elia feiert ihr Comeback nach der verpassten Teilnahme 2020. Dazu gesellt sich Alessandra Mussolini, Enkeltochter des Duce, die schon in vergangenen Realitys für kontroverse Statements sorgte. Ganz frisch im Format: Giovanni „GionnyScandal“ Calvario, dessen YouTube-Kanal wegen Körperverletzungsvorwürfen kurzzeitig gesperrt wurde. Die Mischung aus altem Glamour und digitaler Radikalität soll laut Mediaset-Quellen die Zielgruppe 15-34 stärker binden.
Weitere Namen, die für Diskussionsstoff sorgen: Adriana Volpe, Moderatorin des Frühstücksfernsehens, und Raimondo Todaro, Profi-Tänzer, der mit seiner Frau in der letzten Staffel tanzte und nun solo antritt. Für die ersten Quotenprognosen zeigt sich ein brisanter Mix aus Politur, Promi-Scharm und kontrollierbarem Skandal versprechend.
Laut internen Zahlen sollen die ersten beiden Folgen 25 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe anpeilen. Ein Wert, den die letzte reguläre Staffel vor der Pandemie nur knapp verpasste. Die Produktionsfirma Endemol Shine Italy stockte deshalb das Team auf, um Live-Streaming und Second-Screen-Interaktion zu forcieren.

Warum das format trotz sinkender linear-quote weiter milliarden kostet
Die Antwort liegt in der Werbestrategie von Mediaset. Grande Fratello Vip ist ein 24-Stunden-Content-Hub: 90 Minuten Prime-Time, rund um die Uhr Social-Media-Clips, Podcasts und ein eigenes E-Commerce-Sortiment mit Merchandise. Die Werbeeinnahmen der letzten Staffel beliefen sich laut Analysten von Milan Finance auf knapp 80 Millionen Euro. Selbst bei leichtem Marktanteilsrückgang bleibt die Show ein Cash-Cow, weil die Margen für Product-Placement und SMS-Voting exorbitant hoch sind.
Ein internes Dokument, das unserer Redaktion vorliegt, zeigt: Für jede eingehende SMS zahlt der Sender eine technische Gebühr von 0,07 Euro, verlangt aber 0,51 Euro vom Zuschauer. Das ergibt eine Bruttomarge von 86 Prozent – ein Wert, den selbst Fußball-Live-Rechte nicht erreichen.
Die neue Staffel wird zudem zum Testlauf für die Plattform Mediaset Infinity. Dort sollen künftig Szenen, die wegen Jugendschutz im Fernsehen weggeschnitten werden, gegen Bezahlung als „Director’s Cut“ erscheinen. Ein Schritt, der in Italien heftig diskutiert wird: Befürworter sprechen von „Transparenz“, Kritiker warnen vor „Kontrollverlust durch Voyeurismus als Dauerfeuer“.
Ilary Blasi selbst scheint diese Debatten kalt zu lassen. In einem Kurz-Interview vor dem Einzug betonte sie, sie fühle sich „wie nach einer langen Pause wieder auf dem heimischen Platz“. Für sie steht viel auf dem Spiel: Nach ihrer Scheidung von Francesco Totti galt sie lange als personifizierte Medien-Marke in Gefahr. Ein Quotendreher könnte ihre Marktposition als Moderatorin und Influencerin neu zementieren.
Die ersten Live-Bilder aus der Glashütte zeigen bereits erste Reibungsflächen: Antonella Elia beschwerte sich über die „mangelnde Qualität des Prosecco“, Alessandra Mussolini forderte eine „klare politische Neutralität“ im Gespräch mit GionnyScandal. Die Social-Media-Abteilung von Mediaset kreiert daraus innerhalb von Minuten Clips, die auf TikTok viral gehen.
Fazit: Grande Fratello Vip bleibt ein Medien-Monstrum, das mit jedem Jahr ineffizienter, aber profitabler wird. Die neue Staffel wird zeigen, ob Trash und Polit-Polarisation in Italien weiterhin Hand in Hand arbeiten – oder ob das Publikum die Grenze zwischen Unterhaltung und Zirkus endlich erreicht hat. Die Quote am Dienstagabend wird die Antwort bringen. Und sollte sie erneut steigen, dürfte kein Senderchef mehr an dem Format rütteln, egal wie laut die Kritik wird.
