Hsv-sorgenkind katterbach: köln kommt – und er sitzt wieder nur draußen

Noah Katterbach wird am Samstag in der Volksparkstadion-Kabine wohl ein Déjà-vu erleben: dieselbe Umkleide wie damals, dieselbe Stadiontribüne, nur diesmal in Schwarz statt Rot-Weiß. Der 24-Jährige trifft mit dem Hamburger SV auf seinen Ex-Klub 1. FC Köln – und ist zum Greifen nah, aber sportlich meilenweit weg vom Spielfeld.

Ein vertrag bis 2027, der wie ein todesurteil wirkt

Die Zahlen sind gnadenlos: seit 14 Monaten kein Pflichtspiel, in dieser Saison nur zweimal überhaupt auf der Bank, kein einziger Kurzeinsatz. Der Linksverteidiger gewann zweimal die Fritz-Walter-Medaille in Gold, avancierte zum Hoffnungsträger – und landete beim HSV in der berüchtigten „Trainingsgruppe 2“. Wer dort landet, verlässt den Klub meist mit gefühltem Brandzeichen auf der Stirn.

Der erste Kreuzbandriss kam direkt nach seiner Leihe im Januar 2023. Der zweite folgte im Winter-Trainingslager 2025. Dazwischen lief er acht Mal in Serie auf – ein kurzes Feuerwerk, das schon wieder verglüht ist. Die medizinischen Berichte nennen die Verletzungen „kompliziert“, der Klub nennt sie „unfortunately timed“. Für Katterbach sind sie ein Karriere-Knacks, der tiefer geht als jede Bandfaser.

Braunschweig wollte ihn, der hsv blockierte – und schickte ihn zur u21

Braunschweig wollte ihn, der hsv blockierte – und schickte ihn zur u21

Im Winter lag ein konkretes Angebot vor: Eintracht Braunschweig, Zweite Liga, sichere Startelf. Die Ablöse: symbolisch. Die Erleichterung: groß. Doch die HSV-Verantwortlichen zogen kurzfristig die Handbremse, weil sie nicht „personell verwundbar“ wirken wollten. Also blieb Katterback – und durfte stattdessen mit der U21 Trainingsrondes drehen. Ein Schritt, der in der Szene als „Demontage“ gilt.

Seitdem trainiert er morgens mit, nachmittags schaut er bei Heimspielen aus der VIP-Loge. Kein Platz im Kader, aber ein Platz in der Team-Bus-Gallery – so surreal liest sich sein Alltag. Kollegen wollen nicht namentlich zitieren, sagen aber: „Er ist ein netter Kerl, aber hier läuft nichts mehr.“

Köln lacht nicht – und auch der hsv nicht

Köln lacht nicht – und auch der hsv nicht

Der 1. FC Köln steht mit der linken Abwehrseite im Regen: Florian Kainz fällt aus, Dikeni Salétina ist noch roh. Katterbach hätte dort spielen können. Stattdessen wird er wohl wieder neben Ersatzkeeper Daniel Heuer Fernandes auf der Tribüne sitzen und hören, wie 40.000 Menschen seinen Namen vergessen haben.

Sportchef Bastian Reinhardt betonte zuletzt, „jeder bekommt seine Chance“. Wahr ist: diese Chance ist ein Mythos für Spieler jenseits der 20-Mann-Kader-Liste. Der Vertrag bis 2027? Ein administratives Relikt, kein Versprechen. Beide Seiten suchen laut interner Protokolle „eine für alle Seiten tragbare Lösung“ – Verwaltungssprech für: Wir trennen uns, sobald der Transfermarkt wieder aufmacht.

Noah Katterbach wird das Köln-Spiel als Zuschauer erleben, mit HSV-Hoodie statt Trikot. Die Karriere, einst mit Goldmedaille dekoriert, endet in der Umkleidekabine zwischen Ersatzweste und Stadionhotdog. Der Nächste, der diesen Weg ging, hieß Josha Vagnoman – und der spielt mittlerweile beim VfB Stuttgart. Aber das ist eine andere Geschichte. Katterbachs Geschichte steht kurz vor dem letzten Kapitel – und es liest sich nicht wie ein Märchen.