1,7 Sekunden zerreißen hettich-walz' podiumstraum in otepää

Janina Hettich-Walz traf alles – und durfte trotzdem nicht jubeln. Die 29-Jährige lieferte im estnischen Schneechaos einen makellosen Sprint ab, blieb an den beiden Schießeinlagen ohne Fehler, doch am Ende fehlten lächerliche 1,7 Sekunden auf das Podium. Julia Simon rauschte vorbei, Lisa Vittozzi feuerte ihre gefürchtete Schnellserie, Lou Jeanmonnot parkte die Kristallkugel schon wieder ein.

Null fehler, null medaille – die deutsche biathlon-paradoxie

Die Szene wiederholt sich wie ein Déjà-vu: Deutsche Läuferinnen sauber, aber zu langsam. Hettich-Walz' Zeit von 21:48,4 Minuten reichte nur zu Rang vier – das beste Einzelresultat des DSV-Teams in diesem Winter, gleichzeitig der Beweis, wie dünn die Luft in der Weltspitze ist. „Ich kann mir nichts vorwerfen“, sagte sie mit zitternder Stimme, und man glaubt ihr sofort. Denn hinter ihr lagen nur noch 18 Sekunden auf Platz zehn, ein halbes Atemzug entschied über Triumph oder Trost.

Marlene Fichtner folgte als 23. mit ebenfalls weißer Weste, doch die weiche Loipe fraß ihre Beine. Vanessa Voigt brauchte am Schießstand 74 Sekunden, um ihre Nerven zu sortieren – am Ende war sie 28. Julia Tannheimer, Julia Kink und Selina Grotian schlichen mit jeweils drei Fehlern durchs Ziel, das Podium aber blieb französisch-italienisches Terrain.

Dsv bangt um startplätze – der nächste winter wird eng

Dsv bangt um startplätze – der nächste winter wird eng

Das Problem liegt nicht nur in Otepää, es zieht sich durch die ganze Saison. Drei dritte Plätze – mehr gelang dem DSV-Frauen-Team nicht. Die Folge: Rang fünf in der Nationenwertung, nur einen Platz über der gefährlichen Schwelle. Fällt das Team auf sechs, verliert es einen Weltcup-Startplatz – ein Schicksal, das Nachwuchsathletinnen wie Fichtner treffen würde, bevor sie sich wirklich beweisen konnten. Seit 1999 schaffte Deutschland nie schlechter als Platz vier, 2027 droht das historische Debakel.

Janina Hettich-Walz blickt trotzdem nach vorn. „Vielleicht ist ja morgen mehr drin“, sagt sie, und man spürt, dass sie nicht aufgeben will. Die Verfolgung am Samstag ist ihre zweite Chance – und vielleicht die letzte, diesen Winter noch ein Podest zu betreten. 1,7 Sekunden klingen nach wenig, sind in Wahrheit eine halbe Ewigkeit. In Otepää wurde das wieder sichtbar gemacht.