Hsg hanau bleibt drittklassig – kleemann bleibt treu
Die HSG Hanau zieht den Lizenzantrag für die 2. Bundesligazurück. Konsequenz: Auch 2026/27 läuft der Spielbetrieb in der 3. Liga Süd-West. Doch statt Frust folgt klare Kante – Jan-Eric Kleemann verlängert. Der Spielmacher trägt mindestens ein weiteres Jahr das Trikot, in dem er einst als Sechsjähriger seine ersten Schritte machte.
Ein verein, ein spieler, eine familie
Kleemanns Vertrag lief aus, das Gespräch mit Manager und Trainer dauerte keine fünf Minuten. „Für mich war klar: Ich bleibe, solange sich die Knie nicht verabschieden“, sagt der 31-Jährige, der nach zwei Kreuzbandrissen und einem Syndesmoseriss mittlerweile 23 Partien in Folge absolviert. 55 Tore, fünf Siebenmeter verwandelt, unzählige Kreuzerweiterungen – seine Bilanz liest sich wie ein Lehrbuch für Comebacks.
Die Verlängerung ist mehr als Personalie. Sie ist Signal. Während andere Klubs nach dem Lizenzverzicht Personal abbauen, baut Hanau Stabilität auf. Mit Benedikt Müller zwischen den Pfosten und Kleemann in der Mitte stehen bereits zwei Identifikationsfiguren fest. „Wir wollen oben mitspielen, nicht nur überleben“, so Co-Trainerin Lena Vogt, die die Gespräche federführend führte.

Abstieg verhindert – aufstieg vertagt
Die HSG hatte sich nach der Meisterschaft 2023 sportlich für die Relegation qualifiziert, scheiterte knapp an der Finanzierung. Statt zu jammern, setzt der Vorstand auf Nachhaltigkeit. Kein Investor, kein Kredit, dafür eine Nachwuchsakademie, die aktuell 14 Talente im Blick hat. Kleemann wird künftig doppelt dienen: als Spieler und als Mentor. Dreimal pro Woche steht er auf der Platte, erklärt 3-2-1-Deckung und erzählt, wie man sich nach dem dritten Kreuzbandriss wieder aufstellt.
Die Saison 2025/26 ist noch nicht gelaufen. Platz drei, zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsrang. „Wir haben nicht vor, klein beizugeben“, sagt Kapitän Timo Schmitt. Das Restprogramm: zwei Heimspiele, eine Auswärtsfahrt nach Gießen. Die Rechnung ist simpel: sechs Punkte, dann liegt Hanau wieder im Sattel. Und sollte es erneut nicht reichen, hat der Klub bereits jetzt den wichtigsten Punkt gesichert – Kleemann bleibt.
Am Samstag empfängt Hanau die HSG Darmstadt. Anpfiff 19 Uhr, die Halle bereits ausverkauft. Kleemann wird auflaufen, die Fans werden singen, und irgendwo zwischen Tribüne und Kreis wird ein Junge stehen, der sich einmal wünscht, dass er später auch so lange treu bleibt wie sein Idol. Die Lizenz ist vertagt, die Liebe nicht.
