Horngachers polnischer coup: der dsv-abgänger soll warschau sportlich aufräumen

Stefan Horngacher hat Deutschland verlassen – doch seine Karriere ist längst nicht vorbei. Knapp 48 Stunden nach seinem letzten Einsatz als Bundestrainer schickt ihn eine heiße Spur direkt zurück nach Polen. Dort, wo er einst Kamil Stoch zum Volkshelden formte, soll er künftig als Sportdirektor den kompletten Nachwuchs und das Spezialistenteam durchrütteln.

Maciusiak bestätigt: „jeder spezialist ist willkommen“

Polens Cheftrainer Maciej Maciusiak redet nicht lange um den heißen Brei herum. Im Interview mit Interia bestätigt er das Interesse des Verbands: „Es ist noch zu früh für Details. Aber klar: Wer uns hilft, ist willkommen.“ Die Rechnung ist simpel. Die Skispringer aus dem Nachbarland haben die vergangene Saison weitgehend verschlafen. Nur Kacper Tomasiak, 19, riss mit drei Olympia-Medaillen das Ruder herum. Die Konsequenz: Ein radikaler Generationswechsel. „Ich würde am liebsten nur junge Athleten einsetzen“, sagt Maciusiak. Die Devise lautet: Alles auf Null, neue Energie rein.

Horngacher passt ins Bild. Der Tiroler kennt die polnische Mentalität, spricht die Sprache und bringt den Ruf mit, aus Rohdiamanten Weltmeister zu schleifen. Seine Zeit beim DSV endete mit gemischten Gefühlen: Team-Bronze bei der WM, aber kein Einzelsieg im Weltcup. Die Medien hatten ihn hinterfragt, die Verantwortlichen ließen ihn offen ziehen. Jetzt nutzt er die Freiheit für einen Neuanfang, der alle Beteiligten vor die Kamera zieht.

Dsv-zaudern zieht sich weiter – nachfolge offen

Dsv-zaudern zieht sich weiter – nachfolge offen

Während Polen offenbar Tempo macht, bleibt der deutsche Verband auf der Strecke. Noch immer hat der DSV keinen Nachfolger für Horngacher präsentiert. Intern kursieren Namen wie Stefan Schwarz und Wolfgang Willmann, doch offiziell herrscht Funkstille. Sportlich steht die Entscheidung unter Zeitraumdruck: Die Vorbereitung auf die Sommer-Grand-Prix-Events beginnt in acht Wochen, neue Leitlinien müssen gesetzt, Trainingspläne umgeschrieben werden.

Die polnische Seite nutzt die deutsche Zögerlichkeit gnadenlos. Dort weiß man: Je länger der DSV wartet, desto entschlossener wirkt Warschau. Und Horngacher? Der genießt seine Ausgangsposition. Er kann wählen zwischen zwei Systemen, die beide seinen Input brauchen. Die Entscheidung dürfte nicht nur seine persönliche Zukunft bestimmen, sondern auch die Machtverhältnisse im europäischen Skispringen neu ordnen.

Die Karten liegen offen auf dem Tisch. Wer zuerst zugreift, sichert sich das Gesicht, das die letzte Saison noch mit schmalen Lippen und verbissenem Blick kommentierte. Für Horngacher ist das kein Abgesang, sondern ein Neuanfang mit Ansage. Und für die Fans? Sie dürfen sich auf ein Sommertheater freuen, das mindestens so spannend ist wie ein Springen bei Windstärke vier.