Cucurella zerreißt chelseas masterplan: „maresca raus war ein fehler“
Marc Cucurella lässt beim ersten Atemzug nach der Länderspielpause kein Blatt vor den Mund. Vier Pleiten, Champions-League-Aus, 0:3 bei Everton – und dann dieses Satz: „Ich hätte Maresca nicht entlassen.“ Damit sprengt der Spanier nicht nur die PR-Schablone, sondern liefert auch den Beweis, dass hinter den Stamford-Bridge-Kulissen die nächste Krise längst wieder Programm ist.
Der moment, als die blues blind wurden
Cucurella erinnert sich an die Tage nach der Vorbereitung unter dem Italiener. „Wir haben fast blind gespielt“, sagt er im Gespräch mit The Athletic – und meint das als Kompliment. Denn das System Marescas habe gehalten, was es versprach: Ballbesitz, Pressing, klare Automatismen. Dann kam die Trennung, Ende Januar. Seitdem, so der Linksverteidiger, fehle auf dem Platz „die halbe Landkarte“. Seine Diagnose: „Wenn du mitten im Sturm die Richtung wechselst, verlierst du den Wind aus den Segeln.“
Die Zahlen sprechen dieselbe Sprache. Vor dem Trainerwechsel: 1,9 Punkte pro Liga-Spiel, 62 Prozent Siegquote in der Gruppenphase. Danach: 0,8 Punkte, 25 Prozent. Die Niederlagen gegen Paris (0:4, 1:5) und Newcastle (0:1) folgen einem Muster: Chelsea rennt sich in Ballbesitz-Fetzen, kassiert Konter. Cucurella zählt die Situationen auf: „Gegen PSG fehlten drei, vier Köpfe, die wissen, wie man 0:2 auswärts noch dreht.“ Stattdessen standen acht Spieler unter 23 auf dem Rasen, zusammen 112 Champions-League-Einsätze. Paris’ Startelf kam auf 412.

Roseniors dauerbaustelle: ideen ohne trainingszeit
Liam Rosenior, der Nachfolger, bekommt von Cucurella ein ebenso ehrnes wie vernichtendes Zeugnis: „Großartige Ideen, aber wir üben sie im Stadion, nicht auf der Anlage.“ Drei Tage zwischen Liga- und Pokalspiel reichen nicht, um neue Laufschleifen einzubrennen. Der Spanier zieht den Vergleich zur Klub-WM, die Chelsea unter Maresca gewann: „Wir hatten zwei Wochen Boot-Camp in Abu Dhabi. Jeder wusste, wo der andere steht.“ Heute wirft ihm Rosenior zwar Lobworte über Disziplin und Kommunikation zu, doch Cucurella kontert mit einem Seufzer: „Fußball ist kein TED-Talk. Man braucht Reps, Reps, Reps.“
Die Jugend-Philosophie, die BlueCo auch bei Racing Straßburg verfolgt, nennt er „spannend für 2027“. Für 2025 aber brauche es „eine kritische Masse an Leuten, die schon mal ein Finale verloren haben“. Chelsea hat im aktuellen Kader genau vier Spieler über 26, zwei davon sind Torhüter. Die Folge: In den 79 Minuten nach Rückständen erzielten die Blues nur zwei Tore – schlechtester Wert der Liga.

Barcelona-ruf bereits im ohr
Die Länderspielpause nutzt Cucurella, um eine alte Liebe anzudeuten. Ein Wechsel zu Barcelona? „Schwer abzulehnen“, sagt er und lächelt verschmitzt. Dabei ist sein Vertrag bis 2028 datiert, ein Release-Klausel existiert nicht. Doch der 25-Jährige weiß: Seine Kritik ist auch ein Bewerbungsschreiben an Klubs, die ihn als Führungsfigur einsetzen wollen. „Ich will gewinnen, nicht ewig in Laborexperimenten stecken.“
Chelsea-Fans reagieren gespalten. Die einen feiern ihn als „einzigen, der ehrlich redet“, die anderen erinnern daran, dass Cucurella selbst 65 Millionen Euro kostete und in 28 Partien keine Vorlage geliefert hat. Er selbst nimmt die Gegenrede vorweg: „Ich bin Teil des Problems, aber erst wenn wir das zugeben, werden wir Teil der Lösung.“
Am Ende bleibt ein Satz, der in den Büros von BlueCo echoen wird: „Große Titel holt man mit großen Charakteren, nicht mit großen Portfolios.“ Chelsea hat 14 Spieler unter Vertrag, die noch keine 50 Profi-Einsätze vorweisen. Die nächsten zehn Tage entscheiden, ob sie im Sommer einen weiteren Trainer präsentieren – oder endlich einen Plan.
