Horngacher wirft das handtuch – was er nie erreichte, wird zum erbe
Stefan Horngacher verlässt Planica mit leeren Händen, aber voller Erinnerungen. Sieben Jahre lang versuchte er, den Deutschen Skispringern die Vierschanzentournee zurückzuholen – und scheiterte. Nun steht der 56-Jährige vor dem Absprung. Die Enttäuschung sitzt tief. Der Österreicher hatte sich den perfekten Abschied anders vorgestellt.
Der makel bleibt – und wächst mit dem nachfolger
Seit Sven Hannawalds Triumph 2002 warten die Adler auf das nächste Tournee-High. Horngacher wurde 2019 mit genau diesem Auftrag eingestellt. Stattdessen folgte eine Serie von Nicht-Starts, Stürzen und Selbstzweifeln. „Das war unser Hauptfokus“, sagt er rückblickend. „Von allen erwartet. Nicht erfüllt.“ Die Worte klingen wie ein offenes Testament.
Die Bilanz des Salzburger Querdenkers ist dennoch solide: Olympia-Gold durch Philipp Raimund, Bronzeküren für Karl Geiger, Skiflug-Weltmeistertitel für Geiger 2020. Doch die Tournee? Fehlanzeige. Ein Makel, der sich wie ein Schatten über seine Amtszeit legt. Und nun? „Ich hoffe, mein Nachfolger schafft es“, sagt Horngacher. „Das würde ich ihm echt wünschen.“ Fast klingt es wie ein Fluch.

Streit, klarheit, applaus – horngachers methode
Introvertiert, analytisch, direkt. Horngacher war kein Lautsprecher, aber ein Mann klarer Worte. Er schwieg nicht, wenn Kritik fällig war – auch vor Raimund nicht. Vor der WM in Trondheim knallte es. „Es hat gekracht“, bestätigt der Olympiasieger. Danach redeten sie. Und Raimund flog. So funktionierte Horngachers System: Konfrontation statt Harmonielehre.
Zwischen Titisee-Neustadt und dem slowenischen Flugberg liegt seine letzte Dienstreise. „Ein bisschen komisch“, findet er das. Nach Planica wird er öfter mit Wanderschuhen statt mit Skiunterlagen unterwegs sein. Pilze suchen, Gitarre spielen, Schwarzwaldluft schnupfen. „Ich habe zu viele Hobbys, zu wenig Zeit“, lacht er. Die Selbsterkenntnis kommt spät, aber ehrlich.

Deutschland ist gut aufgestellt – aber nicht vorne
Horngachers Fazit fällt ambivalent aus. „Das deutsche Team wird nächstes Jahr sehr stark sein“, sagt er. Die Wahrheit: Die älteren Springer wie Andreas Wellinger, Karl Geiger und Pius Paschke müssen wieder in Topform finden. Die Jungen wie Pius Paschke junior oder die Kaderneulinge sind noch nicht bereit, die Großen abzulösen. „Noch nicht in der Lage, ganz vorn mitzuspringen“, sagt er. Ein Satz, der wehtut.
Der DSV schweigt zum Nachfolger. Spekulationen um interne Lösungen und externe Superstars schießen aus dem Boden. Horngacher selbst will bleiben – irgendwie. „Ich werde definitiv im Skispringen bleiben“, betont er. Ob als Berater, Co-Trainer oder TV-Experte? Offen. Klar ist: Weniger Reisen, mehr Zeit für seine Frau und die Gitarre. Die Tournee bleibt zurück – als offene Rechnung für den nächsten Mann.
