Hörl stoppt saison und sagt: „der rücken schreit“
Die Gold-Jäger haben einen Ausfall. Jan Hörl, seit zwei Monaten Doppel-Olympiasieger, legt sich auf die Liege statt auf die Schanze. Die letzten drei Weltcup-Stopps – Oslo, Vikersund, Planica – laufen ohne ihn.

„Ich höre auf den körper, nicht auf die tabelle“
Der 27-jährige Salzburger spricht offen, was viele Athleten nur flüstern: „Die Rückenbeschwerden begleiten mich zu lange.“ Seit Jahren tapeiert, eingeklemmt, wieder frei – jetzt reicht es. Statt Sprung auf Sprung folgt Reha auf Reha. Die Entscheidung fällt kurz nach dem Super-Team-Sieg in Lahti, wo er gemeinsam mit Daniel Tschofenig den nächsten Pokal mitnahm. Rang acht in der Gesamtwertung, zwei Goldmedaillen aus Italien – Hörl blickt trotzdem zurück, nicht nach vorn.
Die Konsequenz trifft auch die ÖSV-Planung. Ohne Hörls Erfahrung rückt der Druck auf Stefan Kraft und die jungen Flügelmänner. Trainer Andreas Felder muss in den letzten Wochen des Winters neue Paarungen bilden, neue Auftaktspringer finden. Für Hörl heißt das: erst einmal null Punkte, null Risiko, null Wettkampf-Adrenalin. Stattdessen: Physiotherapie, Muskelaufbau, Frühjahrstraining.
Die Saison endet abrupt, aber nicht im Chaos. Hörl zieht eine Bilanz, die stolz macht: „Nach der Goldenen in Italien bin ich sehr zufrieden.“ Die Zahlen sprechen für ihn: zwei Weltcup-Podeste, zwei Olympia-Triumphe, nur zwei Aussetzer außerhalb der Top-30. Dennoch: Wer die letzten Saisons analysiert, sieht ein Muster – nach großen Erfolgen folgte stets eine Reha-Pause. Der Rücken ist sein Erfolgs- und sein Fluch-Muskel zugleich.
Die Fans werden ihn in Planica vermissen, wo normalerweise die Flugmonster ihre Saison-Dashboards auf 250 Meter sprengen. Hörls Absenz verändert die Kräfteverhältnisse: Deutschland und Norwegen wittern neue Chancen im Nationencup, Finnland schon wieder. Die Entscheidung steht, der Kampf geht weiter – nur ohne einen der spektakulärsten Springer des Winters.
Hörl bleibt dem Sport nicht fern. Er wird als Experte für den ORF fungieren, seine Sprunganalysen live senden. Und wer weiß: Wenn der Rücken wieder still ist, kehrt er zurück – mit derselben Leichtigkeit, mit der er die Schanzen erobert hat. Die Saison 2026/27 beginnt in fünf Monaten. Die Uhr läuft, der Körper zählt.
