Honda wn7: die erste vollelektrische big-bike erfindet sich neu

Malaga – Wer denkt, Honda würde bei E-Motorrädern nur nachlegen, irrt gewaltig. Mit der Wn7 schlägt der Traditionshersteller eine Seite um, die so neu ist wie das Logo auf dem Tank. Kein goldener Flügel, kein Verbrenner-Gerippe, sondern eine 50-kW-Batterie, die selbst zum Fahrwerk wird. 68 PS, 100 Nm, 140 km Reichweite – und ein Fahrgefühl, das selbst gestandene Testfahrer ins Grübeln bringt.

Statt tank nun 9,3 kwh stromspeicher

Der Akku sitzt nicht irgendwo versteckt, er ist das Zentrum. Sein Aluminium-Gehäuse übernimmt die Aufgabe eines klassischen Rahmens, spart 30 % Masse und senkt den Schwerpunkt so tief, dass 217 kg plötzlich wie 170 kg wirken. Unter dem Schutzblech arbeitet ein flüssigkeitsgekühlter E-Motor, der ab 0 U/min voll durchstartet und bis 129 km/h durchzieht – ohne Schaltung, ohne Vibration, ohne Ölgeruch.

Die Fahrt ist atemberaubend leise. Man hört nichts außer dem Wind und das leise Surren der Zahnriemen-Übersetzung. Kein Auspuffknallen, kein Herumgerucke an der Kupplung. Dafür spürt man sofort, was Ingenieur Ryoji Fujimoto mit „Frameless“ meint: Kurvenwechsel gehen beinahe gedankengeschwind, weil Masse dort sitzt, wo sie hingehört – zwischen den Rädern, nicht über ihnen.

Reichweite reicht fürs pendeln, ladezeit für kaffeepause

Reichweite reicht fürs pendeln, ladezeit für kaffeepause

140 km nach WMTC-Zyklus klingt nach wenig, ist aber realistisch. Im Testrundkurs um Malaga verbrauchte die Wn7 81 Wh/km, was bei defensiver Fahrweise locker 150 km erlaubt. Wer mit CCS2 schnelllädt, tankt in 30 Minuten 89 km dazu – Zeit für einen Cortado. Honda garantiert 50 000 km Akku-Leben; Restladestand und Zell-Spannung kann jede Werkstatt auslesen. Zweitmarkt-Angst ade.

Die vier Fahrmodi – Standard, Sport, Rain, Econ – verändern nicht nur die Gasannahme, sondern auch die Rekuperation. In Sport ruckt der Elektro-Naked sofort, in Econ gleitet sie mit Segler-Flair durch die Stadt. Dazu Walking Mode, der beim Rangieren 5 km/h Vortritt liefert, und eine abschaltbare Geschwindigkeitsbegrenzung für 30er-Zonen. Kleinigkeit, die erstaunlich viel Nerv spart.

Preis verlangt mut, verlangt auch überzeugung

Preis verlangt mut, verlangt auch überzeugung

15 180 Euro sind sportlich, selbst für ein Elektro-Motorrad. Honda rechtfertigt das mit der komplett neuen Plattform, hochvoltigen Zellen statt gewohnter 48-V-Baukästen und einem Service-Netz, das europaweit mitliefert. Für A1- und A2-Führerschein-Besitzer gibt es eine 11-kW-Version, die sich um 3 000 Euro günstiger rechnet – und als Firmenfahrzeug sogar von der Dienstwagen-Liste verschwindet.

Die Zielgruppe ist klar: Berufspendler, die jeden Tag 40 km schlucken, Tech-Nerds, die schon immer ein „iPhone auf Rädern“ wollten, und Städter, die mit grünen Plakette und Handy-App durchstarten. Emotionale Biker, die nach Sound und 200 km Tankradius suchen, werden weiter zur CB1000 greifen. Honda weiß das und bietet beides an – nur eben auf zwei verschiedenen Planeten.

Am Ende bleibt ein Gefühl, das sich nicht in PS-Zahlen messen lässt: schwebende Leichtigkeit, ständiger Schub ohne Zögern, Fahrspaß ohne Schuldzuweisung. Die Wn7 ist keine umgerüstete CB, sondern ein Neuanfang, der so konsequent ist wie der Wechsel vom Flügel zum Horizontal-Logo. Honda liefert keine Elektro-Version, sondern eine neue Spezies – und die braucht keine Vergangenheit, um Zukunft zu erfinden.