Hofer feuert perfekt – reicht nur zu platz vier

Lukas Hofer stand am Schießstand von Kontiolahti wie ein Bilderbuch: fünf Mal hin, fünf Mal rein – keine Fehler. Doch als er nach 20 km über die Zielgerade trabte, blinkte am Stadionturm keine italienische Fahne. Platz vier. 1:18 Minuten hinter Quentin Fillon Maillet, der sich mit seinem Sieg schon fast den Gesamtweltcup schnürt.

Die franzosen-maschine tritt ein weiteres mal an

Fillon Maillet war es egal, dass Tommaso Giacomel wegen seines Herz-Ablations-Eingriffs fehlt. Der 31-jährige Franzose zog seine Schneise durch die finnischen Wälder, schoss ebenfalls fehlerfrei und machte 127 Punkte Vorsprung vor dem letzten Rennblock klar: die kleine Kristallkugel für die Einzelwertung ist so gut wie sicher.

Die eigentliche Klatsche kam aber hinter ihm. Sturla Holm Lægreid, bislang ein Schatten seiner Olympia-Form, schwang sich zum ersten Podest des Winters. Der Norweger blieb sauber und distanzierte Vetle Christiansen um 18 Sekunden – ein Duo, das Italien vor allem in der morgigen Staffel ärgern wird.

Hofer schreibt geschichte, aber die medaille fehlt

Hofer schreibt geschichte, aber die medaille fehlt

Was Hofer da ablieferte, war fast ein medizinisches Wunder: Erst zwei Mal seit 2014 hatte ein Azzurro eine Einzel-Weltcup-Partie ohne Strafrunde beendet. „Ich habe in der Vorbereitung hier am Stand oft null Fehler gezeigt – heute habe ich es endlich ins Rennen übersetzt“, sagte er mit rauer Stimme. Die Ski waren okay, die Lunge auch, nur die Beine nicht schnell genug. Im Ziel klatschte er sich selbst auf die Schenkel, als wolle er sich dafür strafen, dass drei Konkurrenten noch schneller waren.

Die Zahl, die weh tut: 38 Jahre. Im Biathlon ist das eine Ewigkeit. Hofer weiß, dass jeder weitere Top-Ten-Lauf ein Bonus ist. „Wenn der vierte Platz bitter wäre, wäre ich im falschen Job“, grinste er, doch der Blick verriet Enttäuschung. Sein bestes Einzel-Ergebnis seit drei Jahren – und es reicht nicht fürs Podest.

Italiens staffel muss morgen liefern

Um 15.40 Uhr steht Patrick Braunhofer an der ersten Startspur, Hofer übernimmt Schlussverantwortung. Ohne Giacomel fehlt der Turbo, doch das Quartett will zeigen, dass Kontiolahti kein Ein-Mann-Betrieb ist. Hinten raus schon mal ein Ausblick: Lisa Vittozzi, Hannah Auchentaller und Martina Trabucchi starten um 13.40 Uhr in den Massenstart – alle mit Frische, keine mit Druck. Vittozzi lachte nach ihrer 11. Platz-Individual: „Heute darf ich angreifen.“

Die Fakten sind hart: Seit 2019 wartet Italien auf einen Weltcup-Sieg in der Einzeldisziplin. Hofer hat die Dürre nicht beendet, aber er hat gezeigt, dass das Ziel nicht utopisch ist. Wer weiß, vielleicht reicht es morgen in der Staffel – und vielleicht ist das der Startschuss für eine neue Jagd. Die Saison ist noch nicht vorbei, und Hofer hat bewiesen: Er trifft. Nur die Zeit muss noch ein bisschen mitspielen.