Hitzlsperger glaubt an undav: „er kann die wm entscheiden“
Thomas Hitzlsperger legt sich fest: Deniz Undav ist sein heimlicher Joker für den Titel. Der ehemalige Bundesliga-Profi erklärt im Gespräch mit SWR Sport, dass der Stuttgarter Angreifer „den Unterschied machen kann“, wenn Deutschland im Sommer 2026 auf Weltmeisterschaftsjagd geht. Und das, obwohl Bundestrainer Julian Nagelsmann den 28-Jährigen bisher nur sporadisch einsetzt.
„Tore schießen kann er einfach am besten“
Hitzlsperger schwärmt von Undavs Instinkt: „Er spürt, wo der Ball landet – das ist keine Technik, das ist eine Gabe.“ Der ARD-Experte sieht im Stürmer einen „typischen Neuner“, der genau das liefert, was die DFB-Elf in kritischen Turnierspielen braucht: kalte Effizienz im Strafraum. Dass Undav zuletzt nur Kurzeinsätze erhielt, wertet Hitzlsperger als Geduldspiel. „Nagelsmann hat ihn noch nicht im Kopf, aber er wird ihn bekommen – spätestens, wenn ein Spiel auf der Kippe steht.“
Die Rechnung des 43-Jährigen: In der englischen Woche vor dem Achtelfinale werden die Innenverteidiger müde, die Lücke zwischen den Sechzehnern größer. Genau dann braucht man einen, der aus 13 Metern keine zwei Bewegungen macht. Undav traf in dieser Saison allein für Stuttgart 21 Mal – in 26 Pflichtspielen. Die Quote spricht, selbst wenn die Einsatzminuten bislang nicht tun.

Mit woltemade als sechser-variante
Interessant: Hitzlsperger würde Undav nicht nur mit Nick Woltemade vereinen, sondern beide gleichzeitig nutzen. Die beiden kennen sich aus dem Pokalsieg mit dem VfB, als Woltemade noch als hängende Spitze neben Undav lief. „Man könnte sie im 3-5-2 aufstellen, Woltemade als zweite Laufsäule, Undav als Fixpunkt“, schlägt der Ex-Nationalspieler vor. Dann wäre Deutschland variabel: entweder frühes Pressing oder direktes Spiel über die Station Neun.
Die Konkurrenz um die Plätze im Sturm ist erbittert. Neben Kai Havertz und Florian Wirtz drängen auch Youssoufa Moukoko und Mathys Tel. Doch Hitzlsperger hält dagegen: „Wenn es eng wird, brauchst du keine Tricks, du brauchst jemanden, der reinmacht. Undav macht rein.“

Warum das turnier nach dem viertelfinale beginnt
Deutschland gilt nicht mehr als Top-Favorit – und das ist gut so. Hitzlsperger sieht Spanien, Frankreich und Portugal „in der Breite besser besetzt“. Aber: „Wir haben diese eine Spezialität, die sonst niemand hat – einen Torjäger, der sich nicht verbiegen lässt.“ Die deutsche Historie zeigt, dass Turniere selten die beste Mannschaft krönen, sondern die heißeste. 1990 hatte ein Rudi Völler in bester Undav-Manier den entscheidenden Splitter im Knie, 2014 war es Miroslav Klose, der aus der Hinterhand schlug.
Die Botschaft: Geduld kann sich auszahlen. Undav selbst schweigt zu den Spekulationen, trainiert mit verschlossenem Mund und offenem Visier. Sein Berater kreidet an, dass „ein Tor gegen die Niederlande reicht, um die Diskussion zu beenden“. Das Testländerspiel steigt am 4. Juni in Gelsenkirchen. Ein Treffer dort, und Nagelsmann muss umdenken.
Die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada wird laut Hitzlsperger „keine Schönheitskonkurrenz“. Temperaturen über 30 Grad, enge Reisezyklen, 48 Teams statt 32. Kurz: Der Turniermodus favorisiert den Pragmatiker. Und genau deshalb tippt der frühere Mittelfeldstratege auf den Mann, der den Ball nicht schön verarbeitet, sondern nur eins kann: versenken. Wenn Deutschland im Viertelfinale in Dallas steht und die Uhr nach 105 Minuten auf 1:1 steht, wird sich zeigen, wer recht behält. Dann zählt kein Tiki-Taka, sondern ein Undav-Knaller. Und Hitzlsperger wird vor dem Fernseher leise sagen: „Hab ich euch doch gesagt.“
