Hitz rettet basel in der 7. minute – rüeggs debakel und die angst vor dem nächsten ausfall
Marwin Hitz war noch nicht einmal warm, da flog der Ball schon auf sein Tor. 30 Sekunden nach dem Handelfmeter von Kevin Rüegg stand der Basler Schlussmann in der siebten Spielminute goldrichtig, parierte gegen Roman Buess und verhinderte das frühe 0:1. Doch die Beruhigung währte nur kurz. Rüegg, der die Strafe verschuldet hatte, humpelte wenig später vom Feld. Die nächste personelle Lücke im Defensivverbund der Rot-Blauen klafft – und das, nachdem Manuel Akanji, Fabian Frei und Sergio López bereits in der Reha stehen.
Ein comeback, das niemand so schnell wollte
Finn van Breemen bekam keine Zeit, sich warmzulaufen. Der 21-Jährige, seit Dezember mit einem Syndesmoseriss außer Gefecht, hatte gerade seine Stutzen hochgezogen, da pfiff Referee Sandro Schär auch schon wieder ab. Van Breemen spielte sofort mit, aber die Unsicherheit blieb sichtbar. Winterthur rochiert seit Wochen um, doch Basel muss jetzt improvisieren. Trainer Timo Schultz hatte sich für ein 3-4-3 entschieden – mit einem Not-Quartett in der Kette.
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Seachtes Saisonspiel, sechster Wechsel in der Innenverteidigung. Die Betonung liegt auf „Wechsel“, nicht auf „Rotation“. Hinter verschlossenen Türen hat der Schweizer Meister bereits intern nach einem kurzfristigen Leihgeschäft gesucht. Die Antwort der Liga: Die Transferliste ist geschlossen, die Reha-Liste offen. Das hilft nur bedingt.

Winterthur spielt auf vermögen, basel auf zeit
Die Schlussphase der ersten Hälfte gehörte den Gastgebern. Buess, Adrian Gantenbein und Matteo Di Giusto jagten jeden zweiten Ball, während Basel sich auf Standards verlegte. Xherdan Shaqiri zog sich immer tiefer ins Mittelfeld zurück, um Tempo zu machen. Die Folge: Er verlor viermal den Ball in der Vorwärtsbewegung – so oft wie im gesamten Vorjahresmatch bei St. Jakob-Park zusammen. Die Zuschauer im Stadion Schützenwiese summten bereits das alte FCB-Boo, als plötzlich Hitz wieder gegenlenkte. Mit einer Parade gegen Gantenbein hielt er den Ausgleich in der 41. Minute fest und verhinderte, dass die Stimmung kochte.
Die Pause nutzte Schultz, um eine einfache Botschaft loszuwerden: „Wir müssen höher stehen, sonst erdrücken sie uns.“ Doch die Befürchtung blieb: Wer rückt neben van Breemen, wenn Rüegg länger ausfällt? Die medizinische Abteilung hatte schon vor dem Spiel mitgeteilt, dass ein Einsatz von Nasser Djiga erst wieder im Mai realistisch ist. Eine interne Lösung führt über Fabian Lustenberger, der seit Wochen mit dem Sprunggelenk hadert, oder über den 18-jährigen Leon Hättenschwiler, der bisher nur 23 Minuten in der Challenge League sammelte.

Die tabelle lügt nicht – aber sie droht
Mit 13 Punkten aus acht Spielen steht Basel auf Rang fünf, bereits sieben Zähler hinter dem Überraschungsleader Yverdon. Die Konkurrenz aus Thun und Lugano hat sich ebenfalls abgesetzt. Die Devise lautet: Punkte sammeln, bevor die Europa-League-Play-offs im August anstehen. Denn dort wartet mit PAOK Saloniki oder Maccabi Tel Aviv bereits ein Gang durchs Feuer. Wer da hinten nicht kompakt steht, brennt sich die Finger ab.
Die Schlussphase brachte dann doch noch den erhofften Befreiungsschlag. In der 78. Minute schlug Shaqiri einen Freistoß aus 22 Metern an die Latte, im Nachschuss verwandelte Zeki Amdouni zum 1:0. Die Erleichterung war greifbar, aber sie hielt nur 180 Sekunden. Denn gleich im Gegenzug köpfte Gantenbein den Ausgleich – erneut nach einem Standard, erneut nach Unstimmigkeiten in der Fünferkette. Das 1:1 blieb bis zum Abpfiff, und damit bleibt auch die Frage offen: Wer stoppt die personelle Blutung?
Im Mixed Zone klang Schultz danach wie ein Mann, der weiß, dass er sich auf dem Transfermarkt noch einmal erfinden muss. „Wir haben in den nächsten Tagen Gespräche“, sagte er, ohne Namen zu nennen. Die interne Deadline läuft am Freitag, wenn die U21 des FC Basel auf den Nachwuchs zurückgreifen muss. Wenn bis dahin keine Lösung steht, wird van Breemen mit einem 18-jährigen Partner spielen – und Hitz muss weiterhin die Rettung parieren.
Die Saison ist noch lang, aber die Verletztenliste wird länger. Wer in der Super League hinten nicht stabil steht, rutscht schneller ab, als ihm lieb ist. Basel hat den ersten Warnschuss erhalten. Ob es der letzte war, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Die Tabelle wartet nicht auf Heilung.
