Hiljemark zerreißt den playoff-traum von como: „uns treibt nur noch der stolz“

Der Countdown läuft. Am Sonntag, 30. Spieltag, trifft der Pisa SC auf Como 1907 – und Trainer Oscar Hiljemark hat vorab schon mal den Kampf erklärt. „Wir spielen für die Würde, nicht für die Tabelle“, sagte der Schwede gestern in der Pressekonferenz. Die Niederlage beim Juventus (0:2) steckt noch in den Knochen, doch Hiljemark will sie ummünzen in Treibstoff. „Wenn wir jetzt kapitulieren, wäre das Verrat an 20.000 Leuten im Stadion und an dem, was wir seit Januar aufbauen.“

Como ist laut hiljemark „champions-league-material“

Die Lobeshymne auf den Gegner folgt auf dem Fuß. Cesc Fàbregas habe aus einer Mittelfeld-Gruppe mit Schnittstellenpassern und Raumfressern „eine Maschine mit Handbremse“ gemacht. „Die laufen nicht nur, die lesen das Spiel in 4D. Wenn wir nicht in der Lage sind, unsere Ketten zwei Meter nach vorne zu verlagern, werden sie uns auseinandernehmen wie einen IKEA-Schrank ohne Anleitung.“

Der Blick auf die Zahlen bestätigt die Warnung: Como erzielt nach Ballgewinn im Mittelfeld durchschnittlich 8,3 Sekunden später den Abschluss – Spitzenwert der Serie A. Pisa hingegen braucht 14,7 Sekunden, Platz 17 der Liga. „Das klingt nach nichts, ist aber der Unterschied zwischen Europa und Abstieg“, so Hiljemark.

Verletzte leistungsträger und ein teenager, der trotzdem spielen will

Verletzte leistungsträger und ein teenager, der trotzdem spielen will

Der Zwischenfall mit Nicolas Haas (Adduktoren-Problem) und Alessandro De Vitis (Fersen-Entzündung) zwingt Hiljemark zur Rochade. Im Trainingslager probierte er gestern 17-jährige Tommaso Corazza als „freien Sechser“ – ein Schachzug, der entweder Genie oder Selbstmord wird. „Corazza trägt noch die U19-Knie, aber er hat dieses … Grinsen, wenn der Ball heiß wird. So was kann man nicht trainieren“, sagt der Trainer, der selbst mit 21 schon EM-Nationalspieler war.

Die Fan-Kurve reagierte mit gemischten Gefühlen. Die Curva Nord verteilte Flugblätter mit der Forderung nach „Mut, nicht Experiment“, während die Pisa Supporters Club auf Instagram ein Video postete, das Corazza beim Slalomdribbling zeigt – 300.000 Klicks in vier Stunden. Druck ist relativ, sagt Hiljemark trocken: „Wenn du mit 14 schon gegen Leute spielst, die dich mit dem Auto zur Schule fahren, ist Montagskritik ein Lächeln.“

Der plan: como aus der automatik schlagen

Der plan: como aus der automatik schlagen

Die Marschroute ist klar: früres Pressing, aber nicht auf Biegen und Brechen. „Wenn wir zu hoch springen, lassen wir Lücken für Cutrone und Verdi. Die beiden brauchen keine dritte Berührung“, warnt Hiljemark. Stattdessen will er die Halbräume verengen und den Spielaufbau mit gezielten Fouls unterbrechen – taktisch erlaubt, moralisch fragwürdig, sportlich notwendig.

Die Personalie Arturo Calabresi erhält dabei Schlüsselbedeutung. Der Rechtsverteidiger soll nicht nur den Flügel dichtmachen, sondern auch als inverser Halbraumspieler die erste Pressinglinie formen. „Calabresi hat die Lunge eines Triathleten und den IQ eines Schachcomputers. Wenn er am Sonntag nicht läuft, laufe ich selber“, scherzt Hiljemark, aber die Ernsthaftigkeit ist spürbar.

Kurz vor Ende der Pressekonferenz fällt noch ein Satz, der durch die Kameras direkt ins Umkleidekabinen-Handy von Fàbregas flimmern wird: „Wir haben nichts mehr zu verlieren – das macht uns gefährlich.“ Der Stadion von Pisa wird ausverkauft sein, 14.234 Stimmen, die kein Pokal-Geld mehr einbringen, aber vielleicht eben doch noch die Playoff-Hoffnung am Leben halten. Anpfiff Sonntag, 15.00 Uhr. Wer zuerst trifft, bestimmt, ob der Traum von Europa ein Stück realer wird oder endgültig zerplatzt.