Cagliari zerbricht an gilmour: pisacanes esposito rettet das gesicht
Sardinien schläft nicht. Nach dem 0:3 in Udine hat Leonardo Semplici seine Startelf umgekrempelt – und wieder zittert das Stadio Unipol Domus. Die Bilanz des 27. Spieltags: ein Punkt, drei neue Fragezeichen, ein 19-jähriger, der sich aus dem Sumpf zieht.
Esposito trägt die insel, olivera versinkt im sand
Der Plan war klar: Godín und Oliva sollen die Mitte räumen, Olivera links die Tempogrenze hochsetzen. Stattdessen rutschte der Uruguayer zweimal durch, traf den Gegner erst in der 73. Minute – und das nur, weil Gilmour seinen Zweikampf bereits aufgegeben hatte. 54 Prozent geglückte Pässe, kein Schuss aufs Tor: Die Leihgabe aus Chelsea wirkt wie ein Tourist, der das Korsika-Trikot verwechselt hat.
Positiv-Kontrast: Esposito. Der Youngster spielte sich in 67 Minuten sieben Balleroberungen zusammen, legte den einzigen Torschuss auf und sprintete 11,3 Kilometer – mehr als jeder andere auf dem Platz. „Wir haben einen Juwel“, flüsterte Co-Trainer Filippi vor dem Flug nach Cagliari, „nur müssen wir es bald polieren.“

Conte schickt scout, doch die antwort bleibt aus
Antonio Conte hatte Olivera persönlich empfohlen. Jetut sitzt der ehemalige Inter-Coach vor dem Laptop und schaut sich Clips an, die wie Beweise wirken: Fehlgriffe in der Ballmitnahme, fehlendes Übersichtsvermögen, ein Körper, der sich weigert, in die Gänge zu kommen. Die Ablöse: 13 Millionen Euro. Die Amortisation: läuft bis 2025. Die Konsequenz: Olivera rutscht auf die Ersatzbank, Dalbert darf wieder links durchstarten.
Und Gilmour? Chelsea verlangt Spielpraxis, Cagliari verlangt Punkte. Laut Opta gewann der Schotte in den letzten fünf Partien nur 38 Prozent seiner Duelle – unter allen Serie-A-Mittelfeldspielern das schlechteste Ergebnis. Die Leihe kann im Winter gebrochen werden, doch Julian Ward, der neue Sportdirektor, will dem 21-Jährigen noch zwei Wochenunden geben. „Er hat Talent, er muss nur lernen, dass hier nicht die Premier League Trainingskick ist“, sagt Ward, „sondern ein Abstiegskampf, bei dem dir jeder Meter wehtut.“

Die tabelle lügt nie
Cagliari steht bei 20 Punkten, nur zwei über dem Strich. Die nächsten Gegner: Atalanta, Roma, Napoli. Die Quote, mit dieser Mittelfeld-Automatik zu überleben: 17 Prozent, laut FiveThirtyEight. Esposito kann nicht alleine retten, was Olivera und Gilmour zerstören. Semplici weiß das, deshalb trainiert er morgens mit der U21, nachmittags mit der Profimannschaft – ein Versuch, die Insel wieder ans Festland zu binden.
Die Uhr tickt. Am Freitag fliegt die Charter nach Bergamo. Wenn Esposito dann wieder 11 Kilometer läuft und Olivera nur halb so viel, wird Cagliari nicht nur zwei Punkte verlieren, sondern womöglich die Serie-A-Mitgliedschaft. Die Insel schläft nie – aber sie versinkt im Tiefschlaf, wenn sich nicht endlich jemand wach rüttelt.
