Hertha stützt sich auf leitl und weber: kontinuität statt kehrtwende

Peter Görlich zieht die Notbremse: Trotz verkorkster Saison behält Hertha BSC Trainer Stefan Leitl und Sportdirektor Benjamin Weber – und riskiert damit den nächsten Aufstand in der Hauptstadt.

Görlich erklärt die kehrtwende

„Was ist es wert, das Alte zu ersetzen?“ Mit dieser Frage blockt der neue Geschäftsführer alle Rufe nach einem Schnellschnitt ab. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sichert er beiden Verantwortlichen das Vertrauen bis 2027 zu – ein Votum gegen die Berliner Unruhekultur, die seit Jahren jeden zweiten Coach verpulvert. Die Rechnung: Kontinuität soll den angeschlagenen Traditionsklub stabilisieren, statt ihn weiter zu spalten.

Die Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache. Fünf Spieltage vor Schluss beträgt das Rückstandspaket auf den Relegationsplatz sechs Punkte – so gut wie aufgeholt. Die angepeilte Rückkehr in die Bundesliga verwandelt sich vor eigenem Publikum in ein Schaulaufen der Frustration. Dennoch pochen Görlich und die Geschäftsführung auf den Langfristgedanken: Ein erneuter Umbau würde nur neue Unsicherheit erzeugen und die ohnehin marode Kasse weiter belasten.

Hertha steckt tiefer in der schuldenfalle

Hertha steckt tiefer in der schuldenfalle

Der 59-Jährige redet Tacheles: Hertha ist „hoch verschuldet“, die Infrastruktur „mangelhaft“, Trainingsplätze weit unter Bundesliga-Niveau. Kurz: Der Club funktioniert nicht einmal auf zweitklassischem Standard. Görlich kündigt deshalb radikale Kürzungen an: Kader schrumpfen, Gehaltsstrukturen neu justieren, Ausgaben rigide kontrollieren. Die „größte Transformation im Fußball“ nennt er das – und meint damit nicht das nächste Großprojekt, sondern den Versuch, überhaupt zu überleben.

Weil die sportliche Leitung bleibt, lastet nun noch mehr Druck auf Leitl und Weber. Sie sollen mit weniger Geld eine schlagkräftige Truppe formen, ohne das Risiko eines erneuten Umbruchs. Ein Spagat, der selbst erfahrene Manager in den Wahnsinn treibt. Berlin blickt gespannt auf den Sommer: Wer wird verkauft, wer läuft trotz Liga zwei davon?

Krawalle in dresden bringen weitere probleme

Krawalle in dresden bringen weitere probleme

Die Eskalation beim Auswärtsspiel in Dresden wirft zusätzlichen Schatten. Görlich kündigt Stadionverbote und mögliche Ausschlüsse aus der Mitgliedschaft an – ein Schritt, der die ohnehin angespannte Beziehung zu Ultras und Aktiven weiter strapaziert. Die Polizei hat bislang keine Tatverdächtigen identifiziert, doch der Imageschaden ist längst Realität. Hertha droht neben dem sportlichen Abstieg auch der Ruf als Randale-Club, der seine eigenen Fans nicht in den Griff bekommt.

Am Freitag trainieren Leitl und Weber weiter, als wäre nichts geschehen. Die Jobgarantie gibt ihnen Luft, aber keine Zeit. Schon im Juli beginnt die Vorbereitung auf eine Saison, in der es nicht um Aufstieg, sondern um Existenz geht. Görlich hat die Weichen gestellt – nun muss das Duo liefern, sonst wird die Kontinuität schnell zur Fußfessel. Für Hertha heißt es: erst retten, dann träumen. Die große Show kann warten.