Hertha bsc bremst sich selbst: sondertrikot gestoppt, weil randale in dresden noch schmerzt

Kein Showeffekt, wenn die Wunden noch bluten. Hertha BSC zieht den Stecker aus der großen Launch-Show für sein neues Sonder-Trikot und wirft damit den eigenen Marketing-Kalender über den Haufen. Grund: die Bilder vom vergangenen Samstag in Dresden, als Pyro-Raketen zwischen beiden Fanlagern hin- und herpfiffen und das Spiel für 20 Minuten unterbrochen werden musste.

„Gewalt ist kein werbefläche“: klub zieht notbremse

Die Entscheidung fiel kurz vordem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern – genau jenes Spiel, das als Bühne für das limitierte Shirt vorgesehen war. Stattdessen laufen die Berliner in ihrem Standarddress auf, und die Kartons mit den frisch bedruckten Jerseys bleiben im Lager. „Ein Trikot steht für Gemeinschaft, nicht für Gewalt“, heißt es in der Mitteilung des Vereins. Die Ereignisse in der Rudolf-Harbig-Stadt hätten „massive Betroffenheit“ ausgelöst, deshalb sei jetzt „Zeit für Aufarbeitung statt für Sales“.

Die Zahlen aus Dresden untermauern, warum der Klub reagiert: 54 vermummte Heimfans rissen Sperrgitter nieder, 13 Personen wurden vorläufig festgenommen, die Polizei spricht von „gezielten Angriffen“ auf Gästefans. Die DFL hat das Geschehen bereits zur Prüfung an den Kontrollausschuss weitergeleitet; ein Urteil droht, Platzsperren sind im Raum.

Herthas selbstgespräch: image vs. identität

Herthas selbstgespräch: image vs. identität

Für Hertha ist der Rückzieher mehr als eine PR-Geste. Der Klub kämpft seit Jahren mit seinem Image – zwischen Traditionsversprechen und Zweitliga-Realität. Das Sonder-Trikot war Teil der Kampagne „Alte Liebe rostet nicht“, mit der die Vereinsbosse die treue Anhängerschaft nach dem zweiten Abstieg innerhalb von drei Jahren zurückgewinnen wollen. Jetzt setzt die Geschäftsführung auf Schadensbegrenzung: Social-Media-Spots wurden offline genommen, Influencer-Posts gestrichen. Stattdessen will der Verein in den nächsten Tagen „Gespräche mit Fanvertretern aller Lager“ führen.

Die Spieler erfuhren von der Entscheidung am Montagmorgen im Kurz-Meeting mit Trainer Cristian Fiél. Kapitän Toni Leistner, selbst jahrelang in Dresden gefeiert, kommentierte knapp: „Fußball ist nur schön, wenn niemand Angst haben muss.“ Eine Aussage, die intern für Applaus sorgte – und die Fans auf Discord binnen Minuten in Memes verwandelten.

Der neue Termin für den Trikot-Release steht noch nicht fest. Laut Insidern prüft Hertha, das Shirt gemeinsam mit einem Fan-Projekt gegen Gewalt auf den Markt zu bringen – Spenden statt Profit. Die Limitierung von 8.000 Stück bleibt, der Preis von 89,95 Euro könnte jedoch entfallen. Die Message ist klar: Wer Gewalt eskaliert, spielt nicht mit.