Heraskevych attackiert ipc: „russland startet mit kriegsgehilfen“

Vladyslav Heraskevych lässt keine Sekunde Zögern zu. „Wer heute für Russland startet, macht sich mitschuldig“, sagt der ukrainische Skeleton-Weltcupfünfte und schlägt mit der flachen Hand aufs Podium des Pressezelt in Turin. Drei Tage vor der Eröffnung der Winter-Paralympics hat der 26-Jährige den Pullover seines Nationalteams ausgezogen – darunter trägt er ein schwarzes T-Shirt mit weißer Ukraine-Kontur und der Aufschrift „Kein Visum für Mörder“.

Die Sportlerakreditierung der russischen Delegation sei ein „Schlag ins Gesicht jener Ukrainer, die gerade im Rollstuhl sitzen, weil russische Granaten ihre Beine weggeblasen haben“, sagt Heraskevych. Er habe interne IPC-Dokumente gesehen, denen zufolge mindestens elf der 32 russischen Para-Athleten „Kriegsversehrte“ seien – doch die Verletzungen stammten nicht aus Sportunfällen, sondern aus Einsätzen in der Ukraine. „Diese Leute sind keine neutralen Athleten, sie sind Profis des Krieges.“

Deutschland bleibt stumm – und das ist kein zufall

Heraskevych wendet sich speziell an den Deutschen Behinderten-Sportbund (DBS). „Deutschland hat die Macht, das Kartenhaus zum Einsturz zu bringen“, sagt er. „Stattdessen schickt man eine Handvoll Athleten zur Zeremonie, die vor lauter schlechtem Gewissen nicht mal die Fahnen hissen dürfen.“ Berlin habe sich bereits für die Bewerbung um die Spiele 2036 positioniert – „da will man sich beim IOC nicht unbeliebt machen“. Seine Stimme wird schneidender: „Wer Olympia organisieren will, muss sich fragen lassen, ob er mit Blutgeld zahlt.“

Der Skeletonpilot selbst wurde vor einem Monat bei der Weltcup-Finale in Cesana disqualifiziert, weil auf seinem Helm ein winziger Patch mit der ukrainischen Landesfarne prangte – „verstößt gegen politische Neutralität“, urteilte der Technische Delegierte. Nun zeigt er Fotos, auf denen russische Athleten mit den Farben der „Heimarmee“ auf den Anzügen posieren. „Die Regeln gelten offenbar nur für die, die kein Atomarsenal haben.“

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Laut italienischem Einwanderungsgesetz können Personen, die an militärischen Aggressionen beteiligt waren, kein Schengen-Visum erhalten. Heraskevych liegt eine interne Liste vor: 17 der 32 russlichen Para-Athleten tragen Militärränge oder wurden 2024 für „Besondere Tapferkeit im Ukraineeinsatz“ ausgezeichnet. „Die Visa wurden trotzdem in Rekordzeit erteilt – per Express-Verfahren in Moskau, nicht über die Botschaft Rom.“ Er habe die Unterlagen an die zuständige EU-Kommissarin Ylva Johansson weitergeleitet. Die Antwort: „Sport fällt nicht in unsere Zuständigkeit.“

Am Freitag will Heraskevych vor dem Haupteingang der Eröffnungsarena protestieren – begleitet von ukrainischen Kriegsveteranen im Rollstuhl. „Wir werden die Gesichter zeigen, die der IPC versteckt.“

Der Wettkampfbeginn rückt näher. Heraskevych’ letzter Satz klingt wie ein Warnschuss: „Wenn die Hymne Russlands ertönt, wissen alle, dass sie nicht für Sport steht, sondern für Bomben auf Mariupol.“ Dann dreht er sich um, lässt die Presse zurück – und die Frage, ob die Paralympics 2026 noch eine Spiele des Friedens sind oder längst zum Schauplatz geopolitischer Rache verkommen sind.