Hennes behrens schockt leverkusen – wusste nicht, dass er traf

Ein 3:3 wie ein Sieg, ein Tor wie ein Irrtum: Hennes Behrens jagt Bayer Leverkusen mit dem 1. FC Heidenheim in eine wilde Partie – und erfährt erst im SWR-Studio, dass der Treffer auf sein Konto geht. Der 21-Jährige lacht, aber die Liga schaut auf einmal ganz anders auf ihn.

Der treffer, der keiner war – bis jemand nachfragt

Die Szene läuft in der 63. Minute. Behrens schaltet sich links ein, drückt die Kugel aus spitzem Winkel unter Florian Grill ins Netz. Jubel brandet auf, doch der Assistent hebt die Fahne. Abseits? Abgefälscht? Keiner im Stadion weiß so recht. Selbst der Torschütze wandert mit hängenden Schultern Richtung Mittelkreis. „Ich hab gedacht, das zählt vielleicht nicht für mich“, sagt er später. Erst als Moderator Tom Bartels nach der Parti die offizielle Liste zieht, platzt die Bombe: Behrens, bis dato Bundesliga-Torschützenkönig in der U21, steht plötzlich mit einem Liga-Tor in der Statistik.

Für Heidenheim ist das Remis mehr als zwei Punkte – es ist ein Gnadenschuss im Abstiegskampf. Die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt lag zweimal zurück, drehte zweimal auf und stemmte sich damit auf neun Zähler Rückstand auf Platz 16. Klingt wenig, reicht aber, um die Lüfte im Voith-Arena-Kabinenflur wieder atmen zu lassen. „Wenn wir so weiterspielen, ist alles drin“, wirft Kapitän Jan-Niklas Beste ein, noch ganz schwer von Adrenalin.

Vom europa-league-debüt zum leverkusen-spektakel

Vom europa-league-debüt zum leverkusen-spektakel

Die Karriere des Linkverteidigers liest sich wie ein Drehbuch, das sich selbst erfindet. Vor zwölf Monaten noch saß er beim RSC Anderlecht für die TSG Hoffenheim auf der Bank, eine Woche später gegen Leverkusen – damals als Einwechselspieler. Nun trifft er genau gegen denselben Gegner. „Ein Déjà-vu, nur dass ich diesmal direkt von Anfang an dabei war“, sagt er und zwinkert. Die Niederlage gegen Frimpong und Wirtz hatte er sich gemerkt, diesmal nahm er sich vor, „die Außenbahn dicht zu machen“. Dass er dabei auch noch trifft, schreibt eben diese Geschichte.

Die Anekdote mit dem Liverpool-Trikot von Frimpong, das Bartels im Studio überreicht, dürfte bald einen Ehrenplatz im Elternhaus bekommen. „Meine Mutter sammelt meine Trikots, aber das hier darf nicht in den Schrank, das kommt an die Wand“, scherzt er. Hinter der Geste steckt mehr als PR: In der Jugend war er es gewohnt, gegen größere Namen zu spielen, aber nie hatte er ein Souvenir vom Gegner mit nach Hause genommen. Das Tor und das Shirt – zwei Erinnerungen an einem Tag.

Mama läuft, sohn ballert

Mama läuft, sohn ballert

Sportlich gesehen steht Behrens erst am Anfang. Die Leihe endet im Sommer, danach wird entschieden, ob Hoffenheim ihn zurückholt oder ob Heidenheim die Kaufoption zieht. Schmidt schwärmt: „Er hat eine Selbstverständlichkeit, die uns fehlte.“ Die Zahlen sprechen dieselbe Sprache: 27 Sprints, 13 Ballgewinne, 85 % Passquote – alles Bestwerte im Heidenheimer Kader. Für einen Spieler, der vor zwei Jahren noch in der Regionalliga stand, ein Quantensprung.

Und dann ist da noch die Familie. Mama Alexandra Behrens ist am Sonntag Deutsche Halbmarathon-Meisterin geworden. „Wenn Fußball morgen nicht mehr funktioniert, muss ich wohl laufen“, lacht er. Doch der Blick bleibt nach vorn. Die Liga hat ihn jetzt auf dem Zettel, die Scouts ebenso. Am 34. Spieltag will er mit Heidenheim noch einmal jubeln – und dann vielleicht sogar mit Frimpong tauschen, diesmal auf dem Platz, nicht im Studio. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende, das weiß er, und deshalb lässt er das Trikot einfach hängen – als Warnung für die nächsten Gegner.