Havertz kehrt zurück: „ich will vorneweg gehen, nicht hinterherlaufen“

Kai Havertz stand am Mittwoch in Herzogenaurach vor den Mikrofonen – und plötzlich war nicht mehr der schicke Offensivspieler mit dem Glamour-Image, sondern ein 26-Jähriger, der sich die Worte aus dem Leib schneidet. Er sprach von Verletzungen, von Vertrauen, das in Krisen entsteht, und davon, dass er „keine Anlaufzeit“ braucht, wenn es um die WM-Qualifikation geht.

Herzogenaurach ist für ihn kein zufall

Genau hier ernannte Julian Nagelsmann ihn im September zum Co-Kapitän. Seitdem wurde Havertz’ Fuß nicht mehr mit dem Rasen des DFB-Trainingsplatzes verheiratet – Oberschenkel, Knie, Pause. Die Beförderung zur Leitfigur geriet zur Pflicht ohne Amt. „Man merkt in schwierigen Phasen oft besser, wer wirklich hinter einem steht“, sagt er. Joshua Kimmich und Antonio Rüdiger riefen trotzdem. Kein PR-Script, sondern echte Anrufe. „Das zählt mehr als irgendein Titel.“

Jetzt ist er zurück – und mit ihm die Frage, wo er auf dem Platz eigentlich hingehört. Havertz lacht nicht weg, er beantwortet sie. „Ich bin flexibel, fühle mich auf allen Offensivpositionen wohl.“ Klingt wie Standard, ist aber ein Seitenhieb gegen jene Analysten, die ihn seit Jahren in ein Raster pressen wollen. Mit Tim Kleindienst und Niclas Füllkrug fehlen die klassischen Neun – Platz für Havertz und Nick Woltemade, zwei Spieler, die lieber in die Tiefe laufen als in die Breite. „Wir brauchen keine Wochen, um uns einzuspielen“, sagt Havertz. Er spricht schneller als sonst, als wolle er die verlorenen Monate in Sätzen wettmachen.

Die generation havertz will liefern, nicht erklären

Die generation havertz will liefern, nicht erklären

Die Heim-EM im Viertelfinale, die WM in Katar nach der Gruppenphase – für ihn ist das kein Makel, sondern Rohstoff. „Wir sind jetzt keine Talente mehr, wir sind erfahren.“ Und er selbst? „Ich will vorneweg marschieren.“ Keine Floskel, sondern Versprechen. Den Beweis will er in den nächsten Wochen erbringen, ohne Rampenlicht, dafür mit Toren oder Vorlagen – egal, von welcher Position.

Die Verletzungen haben ihn nicht langsamer gemacht, sondern lauter. Als er nach der Pressekonferenz den Raum verlässt, bleibt ein Satz hängen: „Ich brauche keine Anlaufzeit – ich bin schon voll da.“ Wer ihm zuhört, glaubt es sofort. Die Pause ist vorbei, Havertz ist zurück – und diesmal will er nicht nur dabei sein, er will bestimmen.