Havertz kehrt nach leverkusen zurück – mit neuer gier und 100 prozent fit
Kai Havertz steht wieder auf dem Rasen der BayArena, wo einst alles begann. 26 Jahre alt, 244 Profispiele für Bayer Leverkusen, jetzt Gegner im Achtelfinale der Champions League. Die Augen des FC-Arsenal-Profis leuchten, die Stimme wird leiser, als er sagt: „Es fühlt sich an, als wäre ich gestern das letzte Mal hier gewesen.“
Die rückkehr des aacheners
Seit 2020 war er nicht mehr hier. Sein Abschlag in Richtung Chelsea, dann London, war mit 72 Millionen Euro der teuerste Transfer eines deutschen Spielers. Nun schlendert er durch die alten Kabinengänge, schüttelt Hände von Physiotherapeuten, denen er einst seine ersten Muskelbündelri sse erklärte. Leverkusen hat sich verändert – die Campus-Anlage ist größer, die Videoanalyse-Kabine sieht aus wie ein Raumschiff –, aber das Gefühl ist geblieben.
Die Zahlen sind hart: nur zehn Pflichtspiele diese Saison, eine schwere Schulterverletzung, monatelang kein Wettkampfgeruch. „Mental war das ein Kampf“, sagt Havertz. „Aber die Unterstützung von meiner Familie und dem Verein war unglaublich.“ Der Dank klingt nicht nach Phrase, sondern nach jemandem, der nachts wachlag und an seine kleine Tochter dachte.

Neuer hunger statt alter last
Was er mitbringt, ist keine Nostalgie, sondern ein neuer Hunger. „Ich fühle mich 100 Prozent fit“, betont er dreimal in fünf Minuten. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat ihn längst auf der Liste für die WM in den USA stehen. Dort will Havertz nicht Tourist sein, sondern Joker, Anführer, Linksfuß mit Torriecher.
Arsenal-Coach Mikel Arteta hat ihn diese Woche nicht geschont. Zweimal Höchsttempo im Training, einmal Zweikampfdrill gegen William Saliba. Havertz lief wie einer, der beweisen will, dass 72 Millionen kein Tippfehler waren. In der Kabine sagt er: „Ich will dem Team helfen, nicht meiner Vergangenheit hinterherlaufen.“
Am Mittwoch um 18.45 Uhr steht er in der Startelf. Dann spielt Leverkusen laut Prognosen mit offenem Visier, Flügelüberlappung und 4-2-3-1. Havertz kennt jeden Zentimeter des Platzes, weiß, wo der Ball nach einer Ecke abspringt und wie lange es dauert, bis die Südkurve zu kochen beginnt. Die Fans werden ihn erst pfeifen, dann applaudieren. Er wird nicht winken, sondern sprinten.
Die Geschichte hat kein Happy-End in Sicht, sondern ein Kapitel, das gerade erst beginnt. Havertz will nicht der Held der Vergangenheit sein, sondern der Störenfried der Gegenwart. Leverkusen gegen London, einstige Liebe gegen neue Macht. Wer gewinnt, entscheidet sich nicht im Kopf, sondern in den 16 Metern. Havertz kennt beide.
