Havertz’ geburtstag: statt ferrari drei esel – einer heißt toni

Kai Havertz feierte seinen 18. Geburtstag nicht mit Champagner, sondern mit Hee-Haw. Drei Esel zogen bei den Eltern ein – eines der Tiere trägt den Namen seines Kumpels Antonio Rüdiger. Der Nationalspieler lacht, nickt, erzählt im DFB-Camp in Herzogenaurach, warum er sich in die Langohren verliebt hat. „Esel sind sehr, sehr ruhige Tiere – so ein bisschen wie ich.“

Statt ps lieber grashalm

Andere Profis sammeln Uhren, Havertz sammelt Fellnasen. Die Geschichte begann in der Kleinstadt Aachen, wo er als Kind auf dem Reitstall nebenan verweilte. „Ich weiß auch nicht, warum“, sagt er und kratzt sich am Handgelenk. „Der eine oder andere von den Jungs macht da auch mal Witze drüber.“ Die Spötter verstummen, sobald sie mitbekommen, wie viel Ruhe ein Esel in eine Gruppe bringt. Letzten Sommer lud Havertz eine Kindergartenklasse zu sich ein. Die Kinder, sonst laut wie Presslufthammer, flüsterten plötzlich. Der Esel kam, die Stimmbänder gingen runter.

Die drei Tiere leben in Deutschland, Havertz in London. Trennung tut weh, sagt er, aber die Stiftung „Kai’s Ark“ übernimmt Patenschaften für bedrohte Haus- und Nutztiere. 250 000 Euro flossen bisher in Tierschutzprojekte. „Ich brauche keine Rolls-Royce-Garage, ich brauche Tiere, die atmen“, sagt er. In seinem Haus in England wohnen drei Hunde, die seine Partnerin adoptiert hat. Die Esel bleiben in Deutschland, weil die Weide größer ist und die Nachbarn stiller.

Rüdiger findet’s klasse

Rüdiger findet’s klasse

Antonio Rüdiger bekam einen WhatsApp-Sprachnachrichten-Sturm, als er hörte, dass ein Langohr seinen Namen trägt. „Der hat sich kaputtgelacht“, sagt Havertz. „Dann hat er gefragt, ob das Tier genauso schnell ist wie er.“ Laut Vater kriegt „Toni“ den Kopf nicht mehr aus dem Futternapf, wenn jemand „Rüdiger“ ruft. Die Ironie: Der Abwehrspieler ist für seine explosiven Sprints bekannt, der Esel braucht für zehn Meter locker 30 Sekunden.

Havertz selbst spürt die Parallele. „Auf dem Platz bin ich der Ruhepol, ich will den Ball, nicht den Tumult.“ Gegen Leipzig lief er 11,3 Kilometer – ohne zu fluchen. Nach dem Spiel ging’s direkt zum Stall, virtuell. Die Eltern schickten ein Video, wie „Toni“ den Kopf hebt, wenn Kai’s Stimme aus dem Lautsprecher plärrt. „Die erkennen mich, verrückt, oder?“

Die Premier League tobt, Transfergerüchte ebenfalls. Doch zwischen zwei Spieltagen guckt Havertz Lieblings-Clips: Esel, die sich gegenseitig die Ohren kraulen. „Das beruhigt mehr als jede Playstation-Runde.“ Nächstes Ziel: eine Wildpark-Patenschaft in Brandenburg. „Vielleicht krieg ich ja mal ein Zebra geschenkt. Dann muss ich mir einen neuen Teamkollegen suchen, der danach benannt werden darf.“

Während andere Stars auf dem Beifahrersitz eines Supersportwagens posieren, postet Havertz Selfies mit Gras im Mund und einem Esel, der versucht, seine Mütze zu fressen. 25 Millionen Follower schauen zu, liken, fragten sich, ob das ein Marketinggag sei. Die Antwort liefert er selbst: „Wenn du morgens um fünf die Stalllaterne anmachst und die Langohren leise brummen, weißt du, warum das kein Gag ist. Das ist mein Tempo.“