Hase/volodin schreiben eiskunst-geschichte: gold nach luftnummer mit achterbahn-heartbeat

Sie knieten, lauschten, starteten – und flogen. Minerva Hase und Nikita Volodin drehten sich nicht nur durch die Luft, sondern direkt in die Geschichtsbücher: Weltmeister 2024.

Die Kadettenhalle von Montréal war kein Ort, sondern ein Presslufthammer. Als die letzten Töne von „Lighthouse“ verklangen, schlug 1,5 Sekunden Stille vor, dann explodierte die deutsche Fanblock-Zone. 221,16 Punkte – eine Zahl, die niemand im deutschen Eiskunstlauf seit 2013 geschrieben hatte.

Der sprung, der alte rechenwerke sprengte

Triple Twist, drittes Level, gefolgt von einem Side-by-Side Lutz-Toe Loop-Kombo – beide sauber. Der Technik-Panel schickte die beiden in die Base-Value-Olymp: plus 9,82 auf GOE. „Wir haben nur gefühlt, nicht gedacht“, sagte Hase, während ihre Atemwolke im kalten Scheinwerferlicht zitterte. Der Rest des Programms war ein Weltraumspaziergang: sauberes Throw Salchow, choreografisches Lift-Spektakel, Endpose exakt auf der letzten Note.

Lochrand um die Augen, trotzdem strahlte Volodin wie ein 1000-Watt-Reflektor. „Meine Mama hat mir einen Schulzettel geschickt. Ich sollte in der ersten Klasse aufgeschrieben haben: ‚Ich werde Weltmeister.‘ Fertig. Erfüllt.“

Gold, aber kein happy-end-garant

Gold, aber kein happy-end-garant

Die Frage nach dem Paar-Aus klafft jetzt offen. Verband, Sponsoren, Fan-Base – alle wollen Gewissheit. Die Antwort: ein entschlossenes „Wir schauen mal“. Nach Jahren des Scheiterns, Coachesuche, Verletzungspech und Corona-Zwangspause haben sie die Krone – und jetzt? „Erstmal drei Tage Döner und dann reden wir“, lachte Hase, während Volodin den goldenen Anhänger zwischen Daumen und Zeigefinger drehte, als wäre er aus Schokolade.

Der deutsche Verband feiert den Titel als Hoffnungsschimmer für Pyeongchang 2026. Die Sportdirektion plant bereits Budgeterhöhungen, Sponsoren schalten sich in die Media-Terminkalender. Die Botschaft lautet: Die deutsche Eiskunst ist zurück auf dem Podest – und diesmal mit Luftnummern, die selbst die Konkurrenz applaudieren ließ.