Hase und volodin erklimmen in prag endgültig den eiskunstlauf-thron

Prag schlug Mitternacht, die O2 Arena kochte, und zwei deutsche Eisläufer schrieben Geschichte: Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin schoben sich am Donnerstagabend in die Eisführung, rissen die letzte Drehung herum – und plötzlich war klar: Das deutsche Paar besitzt jetzt die Welt. 234,91 Punkte bedeuten WM-Gold, bedeuten die Krönung nach Bronze 2024 und Silber 2025, bedeuten endgültig den Sprung von der Geheimwaffe zur Macht.

Ein aufstieg, der seit zwei olympiastufen schwelt

Die Saison begann mit einem Paukenschlag: Gold bei der Europameisterschaft in Tallinn. Mailand-Cortina folgte mit Bronce – ein Platz, der sie hungrig machte statt zufrieden. „Wir wollten die Farbe tauschen“, sagte Volodin nach dem Kürauftritt. Und tauschen taten sie: Silber wurde zu Gold, Bronze zu Legende.

Die Tabelle spricht eine klare Sprache: Hase/Volodin holten in dieser Saison fünf von sechs möglichen Titeln – nur der Grand-Prix-Final blieb außer Reichweite, weil Volodins Grippevirus kurz vor Weihnachten durch die Kabine zog. Das Duo verpasste das Finale um 1,34 Punkte. Man könnte sagen: Pech. Sie sagen: „Zusätzlicher Antrieb.“

Technik als geheimwaffe, emotion als schmiermittel

Technik als geheimwaffe, emotion als schmiermittel

Was sie diesmal anders machten? Die Trainerin René Lohse verrät es: „Wir haben die Seitwärts-Dreher um 15 Grad versetzt, dadurch fließt der Schwung direkt in den Twist-Wurf.“ Kleine Zahlen, große Wirkung. Das Side-by-Side-Springen bekam heute Level 4, die Eisbahn glich einem Trampolin. Die Wertungsrichter zeigten sich gnädig – oder schlicht beeindruckt.

Steffi (Hase) lacht, als wir nach dem Druck fragen. „Druck ist ein Gefühl für Menschen, die nicht trainiert haben.“ Fakt ist: Sie lieferte die höchsten Komponentenwerte aller Paare, 9,82 Punkte im Durchschnitt für Interpretation. Selbst die Kanadier Stellato/Deschamps, bislang das Maß aller Dinge, blieben 6,4 Zähler dahinter.

Deutschland feiert, der verband plant schon weiter

Deutschland feiert, der verband plant schon weiter

Der Deutsche Eislauf-Union drohte nach der Abwanderung etlicher Talente ein Imageschaden. Jetzt schickt sie ein Paar ins nächste Olympia-Zyklus, das vor Selbstvertrauen nur so strotzt. Präsident Josef Schäfer spricht von „einem emotionlichen Aufschwung, der sich auf die Nachwuchsgruppen überträgt“. Sprich: Die Kunsteisbahnen in Berlin, Oberstdorf und Dortmund verzeichnen seit Freitagmorgen 38 % mehr Online-Anmeldungen für Einführungskurse.

Und die Athleten? Die wollen noch mehr. „Wir haben eine Show-Kür vorbereitet, die wir bislang nur im Training getestet haben“, sagt Volodin. „Wenn die ISU erlaubt, führen wir sie bei der Gala auf.“ Kernstück ist ein Lift, bei dem Hase auf einem Fuß stehend aus der Dreifach-Axel heraus katapultiert wird – ein Element, das bisher nur russische Paare in Wettkämpfen zeigten.

Ein rekord, der kasse klingeln lässt

Ein rekord, der kasse klingeln lässt

234,91 Punkte – so viel hatte zuvor noch kein deutsches Paar erreicht. Der alte Landesrekord (Aljona Savchenko 2016 mit 232,4) ist Geschichte. Was das wert ist? Ein Siegprämie von 25.000 Euro, ein DTL-Doppelvertrag, und die Zusage zweier Sponsoren, die A-Jugend-Stiftung „Eis beflügelt“ zu verdreifachen. Hinzu kommen Startgelder von mindestens sieben Showveranstaltungen bis April – knapp 300.000 Euro, bevor sie überhaupt ihr erstes Training nach der Heimkehr absolvieren.

Die WM in Prag ist also mehr als ein glorreicher Abend. Sie ist ein Geschäftsmodell. Und sie ist die Ansage an die Konkurrenz: Wer uns schlagen will, muss erst einmal fliegen lernen – oder sich eine neue Sportart suchen.

Die Kronleuchter in der O2 Arena sind noch warm vom Scheinwerferlicht. Die Eisbahn wird über Nacht abgetaut, doch die Spuren bleiben: Deutsche Eiskunst hat eine neue Farbe. Sie heißt Gold – und trägt die Nummer 234,91.