Hase/volodin erkämpfen gold: deutsche wm-revanche nach olympia-drama

Die Eiskunstlauf-Welt hielt den Atem an – und Minerva-Fabienne Hase atmete tief durch. Nach dem leichten Wackler beim Dreifach-Salchow stemmte sich die Berlinerin mit einem einzigen, wuchtigen Blick nach oben, Nikita Volodin zog sie wie angegossen durch die letzte Pirouette, und in der O2 Arena von Prag explodierte der Jubel: 228,33 Punkte, persönliche Bestleistung, erster WM-Titel. Fünf Wochen nach Olympia-Bronze in Mailand haben Deutschlands Eiskunstlauf-Top-Duo den Kreis geschlossen – und dabei die Konkurrenz aus Georgien und Kanada mit einer Mischung aus Eleganz und Kampfgeist in die Schranken verwiesen.

Von bronze zu gold: die lange saison der hase/volodin

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 79,78 Punkte im Kurzprogramm, 148,55 in der Kür, zusammen 228,33 – so stark war das Berliner Paar noch nie. Dass dahinter ein ganzes Jahr der Ungewissheit steckt, verschweigt die Punktewertung. „Wir haben uns gesagt, nicht zu viel darüber nachzudenken“, lachte Hase im Mixed-Zone-Gewusel, während Volodin den Arm um sie legte, als wolle er die vergangenen Monate in einer Geste zusammenfassen. Die Frage nach der gemeinsamen Zukunft hatten sie nach Mailan offengelassen; nun, mit Gold um den Hals, wirkte alles ein bisschen wie ein Neuanfang statt ein Abschied.

Die Konkurrenz kam nicht ran. Die georgischen Olympia-Zweiten Metelkina/Berulawa blieben mit 218,41 Punkten klar auf Distanz, Kanadas Pereira/Michaud sicherten sich mit 216,09 den Bronzerang. Für die deutsche Eislauf-Union ist das Gold ein verspätetes Geschenk: Nach Silber 2025 und Bronze 2024 fehlt nun nur noch Olympia-Gold für den kompletten Medaillensatz – und bei den Spielen 2030 in der Provence ist genau das denkbar.

Annika hocke und robert kunkel fliegen unter dem radar – und landen im herzen der fans

Annika hocke und robert kunkel fliegen unter dem radar – und landen im herzen der fans

Weit vorbei von Podest und Medienrummel lieferten Annika Hocke und Robert Kunkel die emotionale Seitenstory des Abends. 128,76 Punkte in der Kür, Saisonbestleistung, 194,11 Gesamt – exakt das Ergebnis von Mailand, nur dass die Arena diesmal nicht halb leer war. „Ich bin etwas sprachlos“, sagte Hocke, während hinter ihr tschechische Kinder ihre Kanada-Fahne vergaßen und stattdessen nach deutschen Autogrammen riefen. Kunkel fasste es in einen Satz: „So ein Feedback – genau deshalb machen wir das.“

Für das Duo endet damit eine Saison, in der sie nie im Rampenlicht standen, aber immer dann liefen, wenn die Musik am lautesten war. Rang sieben bei der WM mag im Protokoll bescheiden wirken, im Publikum klang es wie ein Sieg.

Die WM in Prag war das letzte Kapitel einer Olympiasaison, die mit Zweifeln begann und mit Gold endet. Für Hase/Volodin steht ein Fragezeichen, für Hocke/Kunkel ein Ausrufezeichen. Und für Deutschland steht fest: Im Eiskunstlauf ist wieder Goldhausse. Die nächste Saison beginnt im Oktober – bis dahin dürfte Nikita Volodin wissen, ob er weiterhin neben Minerva-Fabienne Hase aufs Eis geht. Die 228,33 Punkte werden ihm die Entscheidung nicht leichter machen.