Hans lindberg wirft schlussstrich: dänemark verabschiedet seine 308-spiele-legende
Ein Kapitel endet, das fast zwei Jahrzehnte die Farben Rot-Weiß prägte. Hans Lindberg, der Rechtsaußen mit der Motorrad-Gähn-Frisur und dem Knall-Sprungwurf, verlässt die dänische Handball-Nationalmannschaft – 308 Einsätze, 800 Tore, vier große Titel. Am Samstag in Kopenhagens Royal Arena verbeugt er sich ein letztes Mal vor 12.500 Fans, die ihn seit 2003 mitgereist sind.
Die karriere in zahlen: olympia, welt- und europameister
Sein Debüt gab der damals 24-Jährige am 9. März 2003 gegen Spanien. Was folgte, liest sich wie ein Drehbuch für angehende Handballer: Gold 2008 in Peking, Weltmeister 2019 und 2021, Europameister 2008 und 2012. Dazwischen Silber, Bronze, Kritik, Comebacks – und immer wieder diese spezielle Art von Leadership, die keine Bindearmbänder braucht. „Hans war unser emotionaler Kompass“, sagte Mikkel Hansen einmal. „Wenn er schrie, wussten wir: Jetzt wird gespielt.“
Die Zahl, die ihn unsterblich macht, steht in keiner Statistik: 44 Jahre alt, noch immer Höj Elite in der lokalen Herre 1. division, noch immer 30 Minuten Dauerlauf vor dem Frühstück. Sein Körper ist ein Argument gegen biologische Gesetze. Die wahre Leistung aber passierte zwischen den Linien: Lindberg schaffte es, Superstars zu bündeln, ohne je Kapitän gewesen zu sein. Seine Methode: sprechen, zuhören, treten.

Warum jetzt? lindberg zieht selbst den stecker
Keine Verletzung, kein Trainer-Ultimatum. „Ich möchte meiner Tochter beim Training zusehen, ohne zwischen den Zeilen ein EM-Quartier zu planen“, sagte er gestern im TV2-Interview. Die Entscheidung fiel bereits im Januar, während er nebenbei die Play-offs mit Höj Elite bestreitet. Trainer Nikolaj Jacobsen wollte ihn umstimmen, doch Lindberg blieb hart. „Nach 20 Jahren ist Schluss, bevor der Körper Schluss macht.“
Die Nachfolge wird zur Achillesferse. Der rechte Außenposten war nie nur Posten, sondern Stammzelle dänischer Spielkultur. Lasse Svanholm, Analyst bei TV2, warnt: „Ohne Hans fehlt die automatische Absicherung. Der neue Mann muss laufen, treffen – und schreien, wenn die Stimmung kippt.“ Kandidaten gibt es: Emil Jakobsen, August Pedersen, der 19-jährige Shootingstar Felix Cholevski. Keiner von ihnen hat 308 Länderspiele im Rücken.
Am Samstag wird die Royal Arena zu einem Meer aus roten Fahnen. Man wird „Seierens sidste vers“ singen, Lindbergs Lieblingslied. Dann spielt Dänemark gegen Österreich, und irgendwann in der zweiten Hälfte wird der Rechtsaußen ausgewechselt. Die Uhr bleibt stehen, die Zuschauer stehen, eine Ära geht in die Knie. Danach wird Hans Lindberg seine Tasche packen, zum ersten Mal ohne Flugplan zur nächsten Nationalmannschaft. Für das dänische Handballherz ist das kein Abschied – es ist ein Schnitt, sauber, wie einer seiner Sprungwürfe.
