Handball-aufarbeitung scheitert: dhb vertuscht offenbar versäumnisse

Ein jähes Ende hat der Aufarbeitungsprozess zu Vorwürfen gegen einen Trainer und mögliche strukturelle Probleme im Deutschen Handballbund (DHB) genommen. Ehemalige Mitglieder der unabhängigen Kommission schlagen nun Alarm und sehen darin einen Vertuschungsversuch des Verbandes. Die Nachricht kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für den Handball, der sich seit Jahren mit Vorwürfen auseinandersetzen muss.

Ehemalige experten kritisieren dhb-vorgehen

Ehemalige experten kritisieren dhb-vorgehen

Die Entscheidung des DHB, die Arbeit der Kommission endgültig zu beenden und auf einen Abschlussbericht zu verzichten, löst in Fachkreisen Entsetzen aus. Die fünf Experten, darunter renommierte Juristen und Sportwissenschaftler, sehen die Ursache für das Scheitern in rechtlichen Einschränkungen und mangelnder Kooperationsbereitschaft des Verbandes. Eine einstweilige Verfügung des betroffenen Trainers hatte die Arbeit bereits im Juli 2024 unterbrochen, doch die Kommissionsmitglieder betonen, dass ein Fortsetzen unter den nachträglich auferlegten Bedingungen, die lediglich allgemeine Präventionsempfehlungen zulassen würden, den eigentlichen Auftrag unterlaufen hätte.

Was niemand offen anspricht: Der DHB lehnte offenbar auch den Vorschlag ab, den Untersuchungsumfang auf weitere Vorwürfe und strukturelle Probleme im Handball auszudehnen. „Es hätte uns ermöglicht, anhand konkreter Berichte etwaige problematische struktuelle oder kulturelle Bedingungen im Handball zu beleuchten“, so die Kommission in ihrer Stellungnahme. Die Weigerung des DHB, hierbei transparent zu agieren, wirft ernsthafte Fragen nach der Verantwortlichkeit des Verbandes auf.

Die ehemaligen Kommissionsmitglieder entschuldigen sich bei den Betroffenen, die Zeit, Vertrauen und persönliche Berichte eingebracht haben. Der Fall verdeutlicht ein grundlegendes Problem: Die juristische Absicherung von Beschuldigten scheint im DHB Vorrang vor dem Schutz von Opfern zu haben. Die Zahl der anonymen Beschwerden über Machtmissbrauch im deutschen Handball ist alarmierend und zeigt, dass schnelles Handeln unerlässlich ist.

„Die nun eingestellte Aufarbeitung ist ein Rückschlag – insbesondere für diejenigen, die Zeit und Kraft in den Prozess investiert haben“, erklärte Athleten Deutschland in einer Pressemitteilung. Es sei umso klarer, dass Betroffene nicht länger allein gelassen werden dürfen. Stattdessen bräuchte es verlässliche und wirksame Strukturen, die ihre Perspektiven ernst nehmen und schützen.

Die Forderung nach klaren Interventionswegen und einem Recht auf Aufarbeitung im Sport ist lauter denn je. Der DHB muss endlich verstehen, dass Vertuschung nicht die Lösung ist, sondern das Vertrauen in den Verband weiter untergräbt. Nur eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit den Problemen kann den Handball wieder auf Kurs bringen und den Opfern von Machtmissbrauch Gerechtigkeit verschaffen. Die Augen der Öffentlichkeit sind nun auf den DHB gerichtet.