Hamburg Towers in schwerer Krise: Veolia Towers stecken in der tiefsten Krise seit der Gründung

Feierliche auszeichnung

Im November 2015 wurde Marvin Willoughby (47) in Berlin von der damaligen Arbeitsministerin Andrea Nahles für sein soziales Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Der Ex-Nationalspieler hatte zuvor mit seinem Freund Jan Fischer aus ihrem Verein "Sport ohne Grenzen" auf der Elbinsel Wilhelmsburg das Basketball-Projekt Hamburg Towers entwickelt.

Zehn jahre später

Zehn jahre später

Zehn Jahre später steckt die Profi-Abteilung Veolia Towers in der schwersten Krise seit der Gründung im Jahr 2014. Nach saison- und wettbewerbsübergreifend 21 Pleiten in Serie stehen die Towers sieglos auf dem letzten Platz der Easycredit BBL und im EuroCup. Dass das nicht einfach bloß Pech ist, zeigen die Statistiken: Die Towers haben die schlechteste Offensive und die schlechteste Defensive der Liga. Sie haben die zweitschlechteste Wurfquote aus dem Feld und erkämpften bislang auch die wenigsten Defensiv-Rebounds.

Krise und reaktionen

Krise und reaktionen

Die letzte Niederlage vor der Länderspielpause gegen Ludwigsburg (84:88) sah Willoughby nur aus der Ferne. Im Rahmen einer Liga-Kooperation war der Towers-Geschäftsführer zeitgleich in Japan unterwegs. Der bislang unangefochtene Trainer Benka Barloschky (37) gab der total verunsicherten Truppe im Anschluss drei Tage frei: "Die sollen aus der Halle raus und mal loslassen. Den ganzen Scheiß, den ganzen Stress, das ganze Verlieren, die negativen Gefühle. Und ab Donnerstag werden wir dann wieder extrem hart arbeiten."

Neue strategien

Neue strategien

Willoughby will als psychologischen Trick mit dem Wiedereinstieg den Reset-Knopf drücken: "Wir sehen im Nationalmannschaftsfenster die Möglichkeit, intensiv zu trainieren, die beiden Neuzugänge vollständig einzubinden – und dann im Anschluss quasi noch einmal neu in die Saison zu starten."

Transferkorrekturen

Unterdessen ist er dabei, seine Fehler des Transfer-Sommers zu korrigieren. Die enttäuschenden Eric Reed (25) und Carlos Stewart (22) wurden schon aussortiert. Der Zeitvertrag von J.P. Tokoto (32) läuft am 30. November aus. Zudem bekam Flop-Verpflichtung Justin Edler Davis (27) zuletzt kaum noch Einsatzminuten. Dafür stießen Center Martin Breunig (33) und Guard Davon Daniels (27) in den vergangenen Wochen dazu, hatten wegen des engen Terminplans aber bislang kaum Zeit für strukturiertes Training. Zudem läuft die Suche nach besseren Spielern weiter. Willoughby: "Wir sind noch auf der Suche nach einem weiteren Guard – um hier noch mehr Stabilität und Entscheidungsqualität auf die Position zu bekommen. Wir haben die Möglichkeit, bis Ende März nachzuverpflichten. Und wir werden sie auch nutzen, wenn es notwendig ist, um den Ligaverbleib zu sichern."

Fokus auf die bbl

Wochenlang hatten die Towers-Bosse versucht, sich mehr auf den Entwicklungsprozess ihrer Mannschaft als auf die Ergebnisse zu konzentrieren. Doch nun MÜSSEN Ergebnisse her, um den Abstiegs-GAU zu verhindern. Laut Faustformel braucht man in der BBL zehn oder elf Siege für den Klassenerhalt. Willougby: "Wir wollen Schritt für Schritt besser werden – die Entwicklung im Team muss aber auch in den Ergebnissen sichtbar werden. Wir wissen, dass die Spiele bis zum Jahreswechsel richtungsweisend sind, und wir werden alles daransetzen, gegen Vechta (07.12., d.Red.), Heidelberg (21.12.) und Oldenburg (27.12) die Grundlage für die zweite Saisonhälfte zu legen."

Eurocup zweitrangig

Der EuroCup ist dabei zweitrangig: "Unser Hauptfokus liegt auf der BBL – wir wollen aus dem Tabellenkeller raus. Und zwar schnellstmöglich. Dafür nehmen wir alle – Spieler und Coaches – in die Pflicht."