Hamburg stoppt sieben-spiel-fluch – hannover rutscht tiefer
Der HSV Hamburg hat sich mit einem 37:35-Sieg im Nordderby bei der TSV Hannover-Burgdorf aus der Auswärtsmisere geschossen – und die Krach-Party in der ZAG Arena nach 60 Minuten intensiven Handball-Marathons gewonnen.
Hsv beendet sieben-spiel-auswärtsfluch
Die Zahlen sprachen vor dem Anpfiff gegen die Gäste: sieben Auswärtsniederlagen in Folge, seit November kein Dreier mehr fern der heimischen Wandrahmbande. Genau deshalb schrieben die Hamburger diesen Abend um: Nationalspieler Justus Fischer (7/7) eröffnete den Torreigen, Ex-Recken-Nicolaj Jörgensen schloss ihn mit einem verwandelten Siebenmeter 90 Sekunden vor Schluss. Dazwischen lagen 36 Tore – allein in der ersten Hälfte.
Die TSV Hannover-Burgdorf fand keine Antwort auf Jörgensens Tempo. Der 26-jährige Linkshänder traf 14-mal, ohne einmal zu scheitern. „Wir haben ihm jede Unterstützung gegeben, aber er war heute einfach nicht zu stoppen“, sagte Hannovers Trainer Christof Roj nach der vierten Pleite nacheinander. Sein Team verlor damit den Anschluss an die unteren Play-off-Ränge und rutsch auf Platz 12 ab.

Recken-defensive bricht zweimal ein
Zweimal lagen die Niedersachsen in Führung, zweimal brach die Abwehrreihe. Nach dem Seitenwechsel war es vor allem die zweieinhalbminütige Ladehemmung, die Hannover aus dem Rhythmus warf. Dyn-Kommentator Karsten Petrzika monierte „zu viel Rammel-Handball“ – ein Satz, der in der Kabine nachhallte. „Wir wollten die Lücken zuschieben, haben dabei aber unsere Offensive vernachlässigt“, räumte Rückraumspieler Moritz Preuss ein. Die Folge: ein 26:30-Rückstand, den Hannover zwar noch einmal auf 34:35 verkürzte, doch Jörgensens letzter Siebenmeter besiegelte das Schicksal.
Die Stimmung in der mit 4.200 Zuschauern ausverkauften Arena kippte sekundenschnell. Pfiffe mischten sich mit dem Applaus für ein Spektakel, das trotz des Verlusts unterhaltsam blieb – und die Vorfreude auf das Topspiel zwischen THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt am Samstag zusätzlich schürte.

Eisenach trotzt den löwen – remis rettet prestige
Parallel sicherte sich der ThSV Eisenach gegen die Rhein-Neckar Löwen ein 29:29 und damit einen Punkt, der sich für Aufsteiger Sebastian Hinze wie ein Sieg anfühlte. Der 36-jährige Coach stand erstmals gegen seinen Ex-Arbeitgeber auf der Bank – und sah seine Mannschaft 24:19 in Front. „Wir haben gezeigt, dass wir mitspielen wollen“, sagte Hinze, der im Sommer 2023 die Löwen verließ. Erst in der Schlussphase dreften die Badener durch David Moré (7 Tore) auf, der künftig für Eisenach aufläuft. Der Transfer gilt schon jetzt als geschickter Schachzug – Moré lieferte sich mit Felix Aellen ein Duell auf Augenhöhe, beide trafen siebenmal.
Für Hannover bleibt nur die Erkenntnis: Der Abstiegsrelegationsplatz ist nur zwei Zähler entfernt. Für Hamburg der Befreiungsschlag – und ein Jörgensen, der endlich wieder jubelt. „Wir haben bewiesen, dass wir auch auswärts gewinnen können. Das gibt Rückenwind für die restliche Saison“, sagte der Dänische Nationalspieler. Die Tabelle spricht eine andere Sprache: Hamburg klettert auf Platz 9, Hannover droht der freie Fall. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob das Nordderby wirklich der Startschuss für eine Hamburger Trendwende war – oder nur ein Strohfeuer im Kampf gegen den Klassenerhalt.
