Hambüchens gold-reck kehrt heim: „ich muss ran, es geht nicht anders“
Das Reck, an dem Fabian Hambüchen 2016 in Rio endlich Olympia-Gold holte, steht wieder in Wetzlar – und der 38-Jährige kann nicht widerstehen. Jeden Mittwoch schwingt sich der Turn-Star auf das Gerät, das seine Karriere krönte und seine Schultern ruinierte.
Das warten von sieben gegnern war die hölle
15,766 Punkte gab die Richterbank, dann musste Hambüchen als Erster abwarten. „Ich hab die Arme verschränkt, sah aus wie ein Geisteskranker“, sagt er. Als der letzte Konkurrent, US-Boy Danell Leyva, zwei kleine Macken zeigte, wusste er: Der Traum ist drin. „Alles entlud sich. Brutal. Die krasseste Situation meines Lebens.“
Am Tag danach konnte er den Arm nicht mehr heben. Die Supraspinatussehne war längst gerissen, die Bizepssehne gleich mit. „Ich habe Rio ohne beide Sehnen geturnt“, lacht er heute. Der Preis: drei Operationen, Dauerschmerzen, Schalten im Auto „wie Hölle“. Der Gewinn: endlich Gold, endlich Ruhe.

Der riss, der ihn rettete
2011 riss die Achillessehne – und wurde zur Erlösung. „Ein Jahr hatte ich herumgedoktert, hatte Panik, chronisch zu werden.“ Die Zwangspause zwang ihn, Olympia 2008 zu verarbeiten. Bronze statt erwartetem Gold hatte ihn damals mental „zu einem Wrack“ gemacht. Ohne diese Niederlage gäbe es 2016 keine Kronung, sagt er. „Wer weiß, was für ein Mensch ich wäre?“
Heute steht das Reck in seiner alten Trainingshalle, 30 Kilometer südlich von Gießen. Er gibt Gymnastics-Seminare, kommentiert für Eurosport, tanzte bei „Let’s Dance“ – und riss sich 2025 dieselte Schulter erneut. „Die Sehne existiert einfach nicht mehr“, sagt er. Es klingt wie ein Witz, aber er kann wieder alles – wenn er sich aufwärmt.

Trainerjob nur „im hinterkopf“
Ein Comeback als Chefcoach? Noch nicht. „Ich bin jede Woche da, helfe den Jungs, gebe Tipps.“ Die Begeisterung ist dieselbe wie 2004 in Athen, als er mit 16 und zerbrochenen Kontaktlinsen Siebter wurde und die Security ihn durch Menschenmengen schleifte. „Vollgas! Scheißegal, was kommt!“ – diesen Satz murmelt er noch heute, wenn er das Rio-Reck berührt.
Sein Fazit: „Der Sport war schon immer mein Leben.“ Und solange das Reck in Wetzlar steht, wird Fabian Hambüchen sich daran hochziehen – einmal die Woche, manchmal öfter. Weil er muss. Weil es geil ist. Weil es sonst einfach nicht geht.
