Hackl fliegt über deutschland: „bananenrepublik ohne führungskraft“

Georg Hackl schlägt mit der Faust aufs Podest – und trifft mitten ins politische Herz der Republik. Der Dreifach-Olympiasieger nennt Deutschland eine „Bananenrepublik“, lobt Italiens rechte Regierung und liefert eine Abrechnung, die im Sport wie in Berlin Wellen schlägt.

Die Szenerie: Cortina d’Ampezzo, WM-Wochenende im Februar 2026. Die Italiener haben in Rekordzeit eine neue Rodelbahn aus dem Boden gestampft – 365 Tage von der ersten Baggerbewegung bis zur ersten Zeitmessung. Hackl, soeben aus dem Trainergeschäft ausgestiegen, sitzt in der Sonne und kriegt rote Ohren – vor Wut auf sein Heimatland. „Sensationell, große Klasse!“

Was folgt, ist kein Interview, es ist ein Manifest. „Gestatten Sie mir, dass es jetzt kurz politisch wird“, sagt Hackl zur Münchner Abendzeitung – und dann wird es sehr politisch, sehr schnell. Er spricht von „Führungsstärke, die ich in Deutschland so sehr vermisse, in dieser Regierung schon wieder, wie in der letzten und vorletzten“. Damit meint er Merz, Scholz, Merkel – allesamt gleichermaßen unfähig, seinen Befund.

Salvini im volunteer-look – hackl gibt daumen hoch

Bei der Eröffnung war sogar Matteo Salvini vor Ort, Italiens Vize-Ministerpräsident und Infrastrukturchef, versteckt unter einer Volunteer-Jacke. „Ich hab‘ sein Gesicht gleich erkannt“, grinst Hackl, „und er hat gesehen, dass ich ihn erkannt habe – Daumen hoch!“

Der 59-Jährige spart nicht mit Vergleichen. Früher, erzählt er, hätten „wir Deutschen die Italiener belächelt – heute sind wir die Bananenrepublik, die nichts mehr auf die Reihe kriegt“. Kein Stuttgarter Bahnhof, BER zu spät, Dresden immer noch ohne Brücke, Königssee seit fünf Jahren ohne Eis. „Die lachen uns mittlerweile aus“, sagt Hackl über seine ausländischen Trainerkollegen. Die Summe der kleinen Pleiten wird zur großen Schlagzeile.

Dabei geht es nicht nur um Beton und Stahl. Es geht um Identität. „Wollen wir, dass das so weiter geht?“, wirft Hackl in den Raum – und beantwortet die Frage selbst mit einem entschiedenen „Nein!“.

Königssee bleibt ein mahnmal deutscher untätigkeit

Königssee bleibt ein mahnmal deutscher untätigkeit

Die Königssee-Bahn war einst Deutschlands Kronjuwel der Eiskanäle. Nach dem Murenabgang 2021 rissen zwei Kurven weg – seitdem Stille. „Nach fünf Jahren rodeln wir immer noch nicht!“, wettert Hackl. Die Sportler trainieren in Innsbruck, Oberhof oder eben Cortina, wo die Bahn eben noch ein Faktum war. „Wann wir zurückkehren, steht in den Sternen – weil Deutschland nichts mehr kann.“

Für den ehemaligen Bundeswehrsoldaten ist das kein Bauproblem, sondern ein Staatsproblem. Kein Plan, keine Eier, kein Fortschritt – so klingt der Refrain. Und er kennt sich aus: Als Athlet und später als Cheftrainer pendelte er zwischen Stahlrohren und Politbüros, kennt jede Ausrede vom Planfeststellungsverfahren bis zum Artenschutz.

Die Verbandsfunktionäre schweigen, der DOSB wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Dafür liefern die Zahlen die Antwort: 17 Millionen Euro kostete die Cortina-Bahn, 14 Monate Bauzeit. Für Königssee schätzt man 8 Millionen – aber erst 2029, vielleicht auch später. Ein Land, das einst Ingenieurskunst exportierte, schafft es nicht, zwei Kurven zu flicken.

Hackl wird nicht mehr auf die Nationalmannschaft einwirken; seit Jahresanfang coacht er die Österreicher. Sein Abschiedsstatement ist also kein Appell an die Verbände – es ist ein Todesstoß für eine Illusion. Die Illusion, dass der Sport über der Politik schwebt. Am Ende bleibt ein Satz, der noch lange nachhallt: „Deutschland hat die Lust verloren, zu siegen – und ich habe die Lust verloren, zuzuschauen.“