Guy martin steigt um: tt-legende attackiert mit honda s2000r die britische rundstrecke

17 Podeste auf der Isle of Man, kein einziger Sieg – und trotzdem ist Guy Martin die lebende Legende des Tourist Trophy. Jetzt, mit 44, tauscht der Lincolnshire-Schrauber die zwei Räder gegen vier und will 2026 in Silverstone erstmals im Racing Hondas mit der S2000R durchdrehen.

Der erste test in oulton park war ein schockmoment

„Neue Welt, alte Hände“, sagt Martin nach den Initialrunden auf dem Cheshire-Kurs. Grip wie auf Klettband, Lenkung schwerer als sein alter Tyco-Superbike-Flitzer. Trotzdem: Die Stoppsuuh zeigte Zeiten, die ihn sofort an die Spitze des Feldes katapultieren könnten. Sein Mechaniker-Hirn arbeitet schon an der Differenzial-Abstimmung, weil die Hecklast der S2000R ihm die Eintrittgeschwindigkeiten raubt, die er auf der Mountain Section gewohnt ist.

Die britische Serie Racing Hondas ist kein Spaßrennen. 220 PS in 1.050 Kilo, sequenzielles Getriebe, keine elektronischen Helfer. Wer hier punkten will, braucht Präzision statt PS-Overkill – genau Martins Terrain. Seine 14 TT-Teilnahmen haben ihm eine interne Uhr eingepflanzt, die jede Lücke auf der Strecke misst. Ob das reicht, wenn die Karosserie jetzt 1,60 Meter breit ist?

Warum der wechsel jetzt sinn macht

Warum der wechsel jetzt sinn macht

Martin hat 2017 offiziell aufgehört, blieb aber als TV-Moderator und Rekordjäger präsent. Die Quote seiner Channel-4-Dokus brach ein, als er nicht mehr persönlich mit 300 km/h an Steinmauern vorbeibretterte. Also Nebelkerze: Ein eigener Versorgungsring für die Royal Air Force, ein Traktor mit Turbine, ein Hovercraft auf 180 km/h – alles schön und gut, aber keine Konkurrenz. Der Sprung auf die geschlossene Rennbahn bietet ihm zwei Dinge: ein echtes Messer im Rücken der Konkurrenten und eine neue Geschichte, die sich verkaufen lässt.

Honda UK liefert nicht nur das Chassis, sondern auch Dateningenieure, die seine Telemetrie mit TT-Linien vergleichen. Dabei stellte sich heraus: Martins ideale Linie in Charlies ist exakt 1,3 Meter weiter innen als die der letztjährigen Seriensieger. Er bremst später, tritt früher, weil er die Karussier-Bewegung des S2000R ausnutzt, anstatt sie zu bekämpfen. Kein anderer Rennfahrer bringt diese Erfahrung mit.

Die ziele sind klar, die zeit knapp

Die ziele sind klar, die zeit knapp

Silverstone, 5. April 2026. Drei Monate später folgt Brands Hatch, dann Donington. Martin will mindestens ein Podest, besser zwei. Die Konkurrenz lacht noch, kennt aber seine Statistik: Bei 42 Prozent aller TT-Starts landete er vorne. Übersetzt auf eine neun Rennen zählende Saison bedeutet das vier Mal Champagner. Teamchef Darren Lindsay steckt sich eine andere Marke: „Wenn Guy nach Renn zwei noch sagt ‚das Auto ist gut‘, holen wir den Titel.“

Die Uhr tickt. In 14 Monaten muss er 300 Testkilometer plus Fitness regenerieren. Keine leichte Aufgabe für jemanden, der nebenher auch noch eine Garage voller Oldtimer restauriert und ein Buch über Dampfmaschinen schreibt. Aber er hat schon mit 217 km/h über Ackerflur gedüst – warum also nicht mit 250 über Asphalt?

Die TT-Legende lebt, nur eben auf vier Rädern. Und wenn Guy Martin in der Becketts-Kurve zum ersten Mal Überholmöglichkeiten wittern wird, wissen alle: Der Mann, der auf der Straße nie siege, könnte auf der Rennstrecke endlich jene Trophäe einheimsen, die ihm sein ganzes Leben lang entglitt.