Gummersbach schnuppert an der königsklasse – aber die zukunft ist ungewiss
Der VfL Gummersbach träumt vom europäischen Handball-Elite – und das nach einer fast zwei Jahrzehnte andauernden Durststrecke. Die Oberbergischen sind nur noch zwei Punkte von Rang zwei entfernt, der direkten Qualifikation für die Champions League. Doch eine Reform des Wettbewerbs wirft lange Schatten und lässt die Verantwortlichen ratlos zurück.
Unsicherheit lähmt die planungen
„Grundsätzlich haben wir uns nicht tagtäglich mit der Champions League beschäftigt, weil es bis vor ein paar Wochen nicht realistisch war“, gesteht VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler. Das ist verständlich, denn die geplante Erweiterung der Königsklasse von 16 auf 24 Teams bringt eine gehörige Portion Unwägbarkeiten mit sich. Nicht alle zusätzlichen Plätze werden automatisch an die stärksten Ligen vergeben, sondern durch andere Faktoren wie den Europapokalsieger oder Wildcards beeinflusst. Das bedeutet, dass es durchaus möglich ist, dass nur eine Liga einen dritten Startplatz erhält.
Schindler setzt darauf, dass die ersten drei Teams der Bundesliga sich für die Champions League qualifizieren könnten. „Platz drei in der Bundesliga sollte höher gewertet werden als der Sieg in der European League“, findet der 42-Jährige. Doch genau hier liegt das Problem: Die Entscheidung der Europäischen Handball-Föderation (EHF) wird erst am Saisonende fallen. Diese späte Klarstellung raubt den Vereinen die notwendige Planungssicherheit.

„Das ist verrückt“ – schindler kritisiert das chaos
„Natürlich ist das viel zu spät, das ist einfach schlecht“, ärgert sich Schindler. „Wir alle wissen mal wieder nicht, welcher Tabellenplatz bei uns wofür in Europa reicht.“ Seine Kritik ist scharf: „Das ist verrückt und zeigt das Problem im Handball auf. Wir reden über Professionalisierung und in welchen Bereichen Vereine investieren müssen. Und dann hat man solche Geschichten. Und das ist gefühlt jedes Jahr so. Sportliche Qualifikationswege müssen vorher klar definiert sein.“

Dreikampf um die europäischen plätze
Es dürfte sich ein spannender Dreikampf zwischen Gummersbach, Flensburg-Handewitt und den Füchsen Berlin um die verbleibenden Champions-League-Plätze entwickeln. Hinter dem bereits qualifizierten SC Magdeburg wird es eng. Während die Teams ihre Ängste und Unzufriedenheit äußern, konzentriert sich Gummersbach auf das Wesentliche: „Wir beschäftigen uns derzeit mit diesen ganzen Wenn-Dann-Spielchen nicht. Wir wollen die bestmögliche Platzierung für uns rausholen“, so Schindler.
Die Saison endet mit einer ungewissen Zukunft, doch der VfL Gummersbach beweist eindrucksvoll, dass Leidenschaft und Kampfgeist auch gegen unfaire Rahmenbedingungen ankommen können. Ob der Traum von der Champions League in Erfüllung geht, wird die Zeit zeigen – aber eines ist klar: Die Oberbergischen haben sich diesen Traum redlich verdient.
