Gummersbach jagt die champions league: duell mit berlin wird zur schicksalsnacht
Elf Siege in Serie, ein EM-Held im Rausch und nun der FC Barcelona des deutschen Handballs als nächster Gegner: Der VfL Gummersbach spielt am Donnerstag (19 Uhr) beim Pokalsieger Füchse Berlin um nichts Geringeres als den Sprung auf Champions-League-Kurs – und selbst Heiner Brand traut seinem Klub das Unmögliche zu.
Brand schwärmt: „das habe ich selbst nicht erlebt“
Die Zahl ist so irrwitzig, dass selbst der Mann, der die große VfL-Ära der Siebziger und Achtziger prägte, stutzt: elf Pflichtspielsiege hintereinander hat die Mannschaft von Gudjon Valur Sigurdsson eingefahren. „Das hatte ich in meiner aktiven Zeit nicht“, sagt Heiner Brand und lacht verschmitzt. „1969 gelang so etwas zuletzt – da war ich gerade mal Jugendspieler.“
Die Oberberger haben sich in der Rückrunde in eine Art Turbo-Modus geschaltet. Während Konkurrenten stolpern, fegen Schluroff & Co. alles weg: letztes Jahr noch 28:33 in Berlin verloren, heute winkt bei einem Dreier zumindest vorübergehend Tabellenplatz zwei. Wer da steht, spielt 2026 Champions League – so viel ist klar.

Sigurdsson blockiert ab: „wir bleiben im hier und jetzt“
Der Isländer, einst selbst Linksaußen-Ikone des Klubs, weiß, wie schnell sich Stimmung dreht. „Wenn sich die Chance ergibt, nehmen wir sie an. Aber wir haben noch schwere Aufgaben vor uns“, sagt er und schiebt die Pokaleierliste weg. Die Füchse sind Pokalsieger, haben Top-Torjäger Drux und den Rückraum-Wirbelwind Böhm. Doch Gummersbach kennt die Marschroute: im Hinspiel 32:30 gewonnen, jetzt den Sack endgültig zumachen.
Rechtsaußen Lukas Blohme spricht es aus, was die Kabine denkt: „Wir wissen, dass wir die Füchse schlagen können. Wir haben es schon einmal geschafft.“ Dann fügt er mit grimmigem Lächeln hinzu: „Letztes Jahr haben wir hier eine Standpauke bekommen. Das wollen wir am Donnerstag besser machen.“

Miro schluroff liefert das feuerwerk – und brand den glauben
Der Rückraum-Shootingstar, erst 22, trifft derzeit aus allen Lagen. Seine Tore erinnern an vergangene Zeiten, als Gummersbach noch ganz oben stand. Brand sitzt in der Halle, schaut sich die Videos an und nickt zufrieden. „Mein Traum wäre Meisterschaft und Champions League“, sagt er. „Aber Träume werden manchmal Wirklichkeit.“
Die Rechnung ist simpel: Gewinnt der VfL in Berlin, rückt er auf 46:13 Punkte vor – und darf zumindest für 24 Stunden neben Magdeburg und Kiel auf dem Treppchen sitzen. Die Europa-League-Teilnahme ist so gut wie sicher, doch die Königsklasse ist das Ziel, das die Region wiederbelebt. 2006 war sie zuletzt dabei, damals noch mit Sigurdsson als Spieler. Jetzt ist er der Architekt, der aus dem Abstiegskandidaten einen Hochgeschwindigkeitszug baute.
Die Uhr tickt. In Berlin herrscht Ausverkauf, 10.000 Zuschauer werden laut. Doch Gummersbach reist nicht als Außenseiter an – sondern als Mannschaft, die gerade alles glauben lässt. Brand wird auf der Tribüne sitzen, die Hände ineinander verschränkt. Und vielleicht denkt er dann: Vielleicht ist diesmal nicht nur ein Traum, sondern der Beginn einer neuen Epoche.
