Güler schreibt geschichte, doch bellingham droht – 15 assists retten seinen platz nicht

Arda Güler lieferte gegen die Niederlande den Pass fürs 1:0, schickt Türkei ins Play-off-Finale – und weiß: Zurück in Madrid wartet derselbe alte Kampf. Einer, den er schon einmal verloren hat.

Die paradoxe bilanz des passkönigs

15 Vorlagen in 1.781 Minuten. Kein Real-Madrid-Spieler kommt auch nur annähernd an diese Quote heran. Doch Zahlen lügen nicht – sie schützen auch nicht. Seit der Klub-Weltmeisterschaft steht Güler in der Startelf, seitdem gewann Madrid alle sieben Pflichtspiele. Trotzdem schwebt über ihm das Damokles-Schwert namens Jude Bellingham.

Der Engländer kehrt nach seiner Schulterprellung zurück. Carlo Ancelotti plant laut interner Notiz „Jude als Box-to-Box mit Freiheitsgrad“, was auf Deutsch heißt: ein Mittelfeldplatz weniger. Der erste, der rückt, ist Güler – so die Logik der Stars. Dabei ist er der einzere Spieler im Kader, der sowohl das Spiel tempo-technisch glätten als auch die letzte Lücke mit einem 40-Meter-Pass aufreißen kann.

Arbeloa nutzt güler als geheimwaffe – und bezahlt ihn mit dank

Arbeloa nutzt güler als geheimwaffe – und bezahlt ihn mit dank

Castilla-Coach Álvaro Arbeloa rotierte ihn diese Woche extra auf die Sechser-Position, um sein Profil zu erweitern. Güler antwortete mit zwei Assists gegen Alcorcón und einem 96-prozentigen Passquote. „Er versteht, dass moderner Fußball keine festen Etikette mehr kennt“, sagte Arbeloa nach dem Spiel. Die Botschaft: ein flexibler Güler ist unverzichtbar. Doch die Entscheidung fällt nicht in Alcobendas, sondern im Valdebebas-Büro.

Die Lösung könnte eine taktische Kopie des türkischen Systems sein. Güler als „doppelte Fünf“ neben Tchouaméni, Bellingham als gestaltender Zehner, Valverde und Vinícius außen. Das würde die Balance wahren und trotzdem Bellinghams Laufwege in den Strafraum nutzen. Ancelotti experimentierte bereits damit, doch im Clásico setzte er wieder auf die gewohnte 4-3-3-Ordnung. Vertrauen ist gut, Erfolg besser – Güler muss sich erneut beweisen.

Die botschaft des torschützen: „ich bin bereit, überall“

Die botschaft des torschützen: „ich bin bereit, überall“

In der Mixed-Zone von Istanbul klang Güler wie ein Mann, der seine Karriere selbst in der Hand hält. „Ich spiele, wo der Trainer mich braucht. Meine Aufgabe ist es, die richtige Lösung in Sekundenbruchteilen zu treffen, egal ob halblinks oder vor der Abwehr.“ Dabei betonte er, dass Spanien ihn „taktisch reifer“ gemacht habe als die Türkei. Ein Satz, der in den Ohren der Entscheider im Bernabéu klingt wie ein Lebenslauf auf dem Rasen.

15 Vorlagen, 3 Tore, 61 Prozent gewonnene Duelle – das ist keine Saisonrandnotiz, das ist eine Kampfansage. Wenn Ancelotti ihn trotzdem wieder auf die Bank verfrachtet, riskiert er mehr als nur ein Talent. Er verschenkt vielleicht die Dienstleistung des effizientesten Assistenten Europas. Güler weiß das, seine Berater wissen das, und irgendwann wird auch der Klub es merken – spätestens, wenn wieder ein 60-Meter-Ballon den Unterschied macht.