Guardiola wirft seinen millionären den selbstzweifel vor: „glaubt ihr nicht, bleibt zu hause“

Null Tore, null Chancen, null Hoffnung? Pep Guardiola will die Schockstarre in Manchester mit einem verbalen Schlag in die Magengrube brechen. Nach dem 0:3 gegen Real Madrid schmiss er seiner Elf vor, wer nicht an das Wunder glaube, solle „zu Hause bleiben“. Knallhart, ehrlich – und genau deshalb so wirkungsvoll.

Die zahlen, die guardiola schlafen lassen

13 von 15 Achtelfinals hat Real gewonnen, die letzten zwei K.o.-Duelle gegen City ebenfalls. Die Statistik ist ein Spiegel, in dem sich die Citizens gerade ein seltenes Selbstporträt anschauen: verunsichert, ideenlos, entzaubert. Längst ist den Spielern klar, dass sie am Dienstagabend nicht nur 90 Minuten, sondern auch ihre eigene Legendenbildung retten.

Trotzdem: Guardiola liebt diese Mannschaft. „Ich mag den modernen Fußball, auch wenn er für manche nicht mehr das ist, was er war“, sagt er – und klingt dabei wie ein Barbesitzer, der trotz schlechter Hintergrundmusik nicht die Lichter ausknipst. Er weiß, dass der Mythos von der Unbesiegbarkeit nur dann lebt, wenn man ihn auch gegen rationale Prognosen verteidigt.

Felix kroos zündet die nächste diskussionsrunde

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Der Bruder von Toni Kroos postete schon vor dem Hinspiel, Guardiolas „Ära gehe irgendwie vorbei“. Ein Satz, der in 280 Zeichen die Frage aufwarf, ob der Coach mit seinen 14 Jahren ohne CL-Titel beim jeweiligen Lieblingsklub langsam selbst an seiner Doktrin zweifelt. Guardiolas Antwort: „Was haben wir zu verlieren?“ Klingt nach Lockerheit, ist in Wahrheit blanker Realismus.

In der Premier League schlurft City bereits neun Punkte hinter Arsenal, die Meisterschaft ist so gut wie weg. Die einzige Trophäe, die noch emotionalen Kompensationswert besitzt, ist die Champions League. Deshalb ist das Rückspiel kein Spiel mehr – es ist ein Gutachten über die Zukunft eines ganzen Projekts.

Die Fans werden die Etihad-Chemie am Dienstag in ein Kessel verwandeln, der an verrückte Abende erinnert, als City gegen QPR in der 93. Minute die Meisterschaft rettete. Aber diesmal steht kein Sergio Agüero bereit, sondern ein Bollwerk aus weißen Trikots, das schon vor dem Anpfiff die Uhr runterspielt. Guardiola weiß: Glaube allein reicht nicht. Aber ohne ihn ist alles nichts.

Er wird an der Seitenlinie wieder diese unsichtbare Turbine sein, die permanenten Lärm erzeugt, bis die eigenen Nerven flattern. Entweder schafft City das unmögliche Comeback – oder Guardiolas persönliche Champions-League-Saga erhält eine weitere, bittere Fußnote. Die Kugel rollt, der Countdown läuft. Und die Millionäre auf dem Rasen haben genau 90 Minuten Zeit, um zu beweisen, dass sie nicht zu Hause bleiben wollen.