Griezmann raus: atlético verliert seinen könig – und die zukunft fängt schon im getafe an
Kein weiteres Mal wird er über das grüne Teppich des Metropolitano gleiten, kein weiteres Mal wird die linke Socke den Ball so nah ans Netz bugsieren, dass die Masche noch zittert, wenn die Südkurve schon brüllt. Antoine Griezmann hat den Königspalast verlassen – mit 185 Toren in Rot-Weiß, mit einem Ballon-d’Or-Wahlsieg 2018, der nie kam, und mit einem Applaus, den er sich vor vier Jahren noch mit Pfiffen hatte kaufen müssen.
Mateu alemany mahlt nächtlich zahlen
Der Sportdirektor sitzt in Valdebebas, nicht im Wanda, und rechnet: 31 Jahre, 33 Liga-Starts, 15 Treffer, 7 Assists – und null Marktwert, weil der Franzose seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängert. „Wir ersetzen keine Legende, wir schreiben ein neues Kapitel“, murmelt Alemany, doch die Excel-Tabellen spucken nur drei Namen aus, die das Griezmann-Vakuum stopfen könnten: Mason Mount, Sergej Milinković-Savić, Dominik Szoboszlai. Alle kosten sie mehr Nettogehalt als der kleine Prinz, alle wollen sie Champions-League-Boni – und keiner von ihnen trägt die Nummer 7 mit der Leichtigkeit, die einst die Südkurve in „Grizi, Grizi“ verwandelte.
Die Kurve klatschte trotzdem, nur diesmal für Abtrünnige. Axel Witsel, 35, einst Freitransfer, wurde zum Libero umgeschult und ging unter Standing Ovations. Thomas Lemar, 72-Millionen-Mann von 2018, der nie mehr als 1.000 Minuten pro Liga-Saison schaffte, bekam ebenfalls ein Brüllen – fast so laut wie Griezmann, als er in der 87. Minute ausgewechselt wurde. Lemar hat noch ein Jahr Vertrag, aber Diego Simeone hat ihm schon die Koffer ins Auto gestellt.

Pubill räumt rechts den platz, um in der mitte zu herrschen
Während der Franzose seine Abschiedstränen trocknet, bastelt Simeone schon am Nachfolger – nur nicht im Angriff. Arnau Pubill kam als Rechtsverteidiger, spielt aber seit Februar als Innenverteidiger besser als José María Giménez und Stefan Savić zusammen. Gegen Girona gewann er 13 von 15 Zweikämpfen, spielte 94 % seiner Pässe an den Mann und lancierte den Vorstoß zum 1:0 mit einem 40-Meter-Diagonalball. „Wenn er so weitermacht, fliegt er mit Spanien zur WM – und wir sparen 40 Millionen für einen neuen Verteidiger“, flüstert ein Co-Trainer auf der Tribüne.
Das Spiel selbst war Nebensache, trotzdem lehrte ein Marokkaner den ganzen Klub, wie man einen Thron beerbt. Azzedine Ounahi, 23, Mittelfeld-Achter von Girona, nahm in der 63. Minute zwei Gegenspieler mit einer Hüftfinte aus, durchtanzte Koke und schob flach ins Eck. Die 64.123 Zuschauer jubelten – halb aus Wut über die eigene Defensive, halb aus Bewunderung. Der Scout neben mir notiert: „Technik wie Griezmann, aber mit 1,83 m Körpergröße und 5 kg mehr Muskelmasse.“ Der Marktwert: 25 Millionen. Die Ablöse-Klausel: 60 Millionen. Derzeit billiger als ein Lemar-Abfindungsjahr.

Lookman liefert das bild des tages – und simeone das kopfschütteln
Ademola Lookman presste in der 78. Minute bis zur eigenen Eckfahne, räumte den Ball, sprintete 60 Meter, spielte einen One-Two mit Álvaro Morata – und blieb danach stehen, statt in die defensive Deckung zurückzueilen. Simeone schrie sich die Lunge aus dem Leib, ließ sich aber von seinem Assistenten beruhigen: „Wenn er das lernt, sind 30 Millionen ein Schnäppchen.“ Die Szene fasst den Atlético-Sommer zusammen: ein Trainer, der jeden Tag ein bisschen mehr von seiner Seele verkauft, ein Flügelsturm, der noch nicht einmal halb so komplett ist wie der Franzose, den sie beerben sollen – und ein Verein, der am Ende vielleicht wieder auf den jungen Pubill setzt, weil die großen Namen zu teuer sind.
Der König ist tot, es lebe der König – nur steht der Thron noch leer, und der Nachfolger heißt noch nicht einmal Ounahi. Er heißt Aufbruch, heißt Sparsamkeit, heißt Atlético 2.0. Die Südkurve wird nächste Saison pfeifen, applaudieren, weinen – und sich daran erinnern, dass ein Prinz mit der Nummer 7 einmal gelehrt hat, wie man aus Pfiffen Applaus macht. Niemand wird das je so gut können. Die Bilanz: 185 Tore, ein verschossener Ballon d’Or – und ein Loch, das größer ist als jedes Transferbudget der Welt.
