Griezmann fliegt hin, unterschreibt, fliegt zurück – und trainiert mit vier profis und 15 kids
Antoine Griezmann landete am Dienstag um 14:37 Uhr in Madrid, um 15:03 Uhr schon wieder auf dem Trainingsplatz in Majadahonda. Zwischen diesen beiden Zeitstempeln liegt ein 19-Stunden-Trip nach Orlando, ein MLS-Vertrag für 2025 – und eine Rückkehr, die beweist: Der Franzose will den Atlético-Endspurt nicht aus der Ferne mitbekommen.
Ein kader, der aussieht wie ein sommerloch
Die Zahlen sind entlarvend: fünf Ergänzungsspieler, 15 Nachwuchskicker, null Stammkräfte. Koke, Lenglet, Le Normand und Ruggeri bildeten die komplette erste Reihe. Dazu Griezmann, der die Übungen mit der Autorität eines Captains ansagte, während seine Teamkollegen beim Lauf um die Mittellinie die Namen der Academy-Kids riefen, um sich nicht gegenseitig umzufallen.
Die Abwesenden lesen sich wie eine Verletzten-Elf: Oblak, Barrios, Mendoza, Pubill – alle in Reha. Dazu die Länderspielnominierten: De Paul, Molina, Llorente, Correa, Julián Álvarez. Wer zählt, kommt auf 17 Ausfälle. Das ist kein Personalproblem, das ist ein Personal-Sarg.

Simeone fehlt – und das spürt man
Die Lücke auf dem Rasen war kleiner als die auf der Bank. Diego Pablo Simeone genehmigte sich zwei Tage in Buenos Aires, wo am Mittwoch der Todestag seines Vaters Carlos auf den Tag genau fällt. Statt „Cholo“-Gebrüll gab es „Luis, lauf!“ – Assistent Piñedo übernahm die Kommandostimme. Die Übungseinheiten verkürzten sich um ein Drittel, die Schlusssprints fielen flacher aus. Die Spieler spürten: Der Boss ist weg, die Kante fehlt.
Griezmann füllte die Lücke mit lauter Französisch-Spanisch-Mischmasch. „Rápido, chicos, même pas fatigués!“ brüllte er, während er einen 18-jährigen Linksaußen antrieb, dessen Name selbst Google noch nicht richtig buchstabiert. Die Kids liefen sich warm an der Nummer 7, die Kids liefen sich warm für ein Spiel, das sie wahrscheinlich nie bestreiten werden.
Der kalender lügt nicht
Am Sonntag wartet Real Sociedad, dann Barcelona, danach die Champions-League-Zitterphase. Atlético hat noch zwei Punkte Vorsprung auf den fünften Platz. Jeder Punkt wiegt eine Tonne, jeder Muskelkater wird zum Risiko. Griezmann weiß: Fliegt er nach dem MLS-Deal erneut nach Florida, platzt die Blase. Deshalb sagte er den Orlando-Chefs, dass er nur unterschreibt, wenn er bis Saisonende jeden Freitag zurückfliegen darf. Die Antwort: „Book your own jet.“ Er buchte.
Die Frage ist nicht, ob er noch einmal abheben wird. Die Frage ist, wie viele Starts und Landungen seine Wade noch mitmacht. Die medizinische Abteilung rechnet intern mit 35 Minuten pro Partie bis Mai – alles andere sei „Wunschdenken auf Kosten der Kniesehne“. Griezmann lacht darüber, als hätte er ein Geheimnis: „Ich bin 33, nicht 93.“
Am Ende der 63-minütigen Einheit bleibt er noch zehn Minuten allein auf dem Platz. Elf-Meter-Schuss, links unten. Noch einer, rechts oben. Dann nimmt er sich ein Handy aus der Tasche eines Physios und filmt die leeren Tribünen. Für die Instagram-Story schreibt er: „Volveremos llenos.“ Wir werden wieder voll machen. Die Botschaft ist klar: Er kommt zurück – und zwar nicht nur von Orlando.
