Gravina zieht vor den wm-playoffs die notbremse: tonali beruhigt, italiens blau ruft
Rom – Noch sieben Tage bis zum Duell mit Nordirland, und Gabriele Gravina schaltet auf Krisenmodus. Der Präsident des italienischen Verbandes meldet sich mit einem Zwischenruf, der alles andere als Routine ist: Sandro Tonali hat nach seinem Champions-League-Aus im Whatsapp-Konferenzraum mit Gennaro Gattuso, Luciano Spalletti und Medizinchef De Carli wieder Farbe auf den Wangen. „Er war deutlich ruhiger als in der Nacht des Schreckens“, sagt Gravina, „die Laborwerte entlassen uns aus der roten Zone – ein Alarm, aber kein Krieg.“
Ein klub auf abruf, ein land auf sendung
Was wie ein internes Update klingt, ist in Wahrheit eine Landkampagne. Direkt vor der Figc-Zentrale hängt seit diesem Morgen ein Plakat mit der Aufschrift „Una sola maglia“. Darunter die Aufforderung, am 26. März einfach Blau zu tragen – egal ob in der U-Bahn, im Büro oder auf dem Jakobsweg. Gravina erinnert sich an den Sommer 2021, als Italien sich in einem kollektiven Blauwahn erstickte und am Ende Europameister wurde. „Wir waren eine normale Mannschaft, die durch Zusammenhalt besonders wurde. Diesmal wollen wir das gleiche Feuer, nur noch heißer.“
Die Zahlen geben ihm recht: Die Tickets für das Playoff-Hinspiel in Bergamo waren nach 67 Minuten ausverkauft – ein Rekord, der selbst die Marketingabteilung verstummen lässt. Gravina sieht darin mehr als nur Kaufwut. „Das ist kein Hype, das ist ein Seismograph. Das Land will wieder glauben, und die Spieler sollen das spüren, bis in die letzte Faser.“

Newcastle, gattuso und die leise hoffnung
Im Hintergrund laufen bereits die Uhren anders. Newcastle United hat seine medizinische Akte offengelegt, die Kommunikation läuft stündlich. Gravina schwärmt fast ein wenig von Gattuso, der in den vergangenen Wochen als „trappistischer Bruder“ durch Italien tingelte und Talente wie einen Rosenkranz betrachtete. „Er hat etwas Unbezahlbares geleistet – die Jungs wissen, dass hinter ihnen nicht nur ein Trainer, sondern ein ganzer Kulturapparat steht.“
Dennoch bleibt ein Restrisiko. Tonali muss bis spätestens Freitag ein belastungsfreies Lauftraining absolvieren, sonst rückt Cristante nach. Gravina will die Kugel nicht zu frage loben: „Wir schicken keine halben Helden ins Risiko, aber wir schicken auch keine Angst ins Spiel.“
Am Ende seiner Pressekonferenz packt der Verbandschef noch einen Satz aus, der klingt, als wolle er selbst auflaufen: „Wenn wir scheitern, dann nicht, weil wir zu leise waren.“ Die Botschaft ist klar: Das Blau ist keine Farbe, sondern ein Signal. Und Signale will Gravina jetzt über das ganze Land senden – selbst wenn er dafür bis nach Amerika schwimmen müsste.
