Golla vor abschied: champions-league-traum oder letzte chance?
Johannes Golla, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und Leistungsträger von SG Flensburg-Handewitt, steht vor einem sportlichen Balanceakt, der seinesgleichen sucht. Der Final Four der European League am Wochenende könnte ihm nicht nur den Titelgewinn bescheren, sondern auch eine unerwartete Chance auf die Champions League – oder ihn von dieser Möglichkeit für die nächste Saison verabschieden.

Die ungewöhnliche zwickmühle des routiniers
Die Situation ist komplex: Golla verlässt Flensburg im Sommer und wechselt zu MT Melsungen. Das Halbfinale am Samstag (15:30 Uhr/Dyn) gegen seinen zukünftigen Verein wirft somit ein besonderes Licht auf das Turnier. Es geht nicht nur um den Einzug ins Finale, sondern auch um die heiß begehrte Qualifikation für die Königsklasse. Denn Flensburg, Melsungen oder der THW Kiel könnten mit dem Turniersieg den dritten deutschen Startplatz in der Champions League erobern.
„Ich merke schon, dass für alle Mannschaften noch mehr dran hängt als in den vergangenen Jahren. Das Thema Champions-League-Qualifikation schwebt über allem“, kommentierte Golla nüchtern die zusätzliche Brisanz. Timo Kastening von Melsungen spielte scherzhaft mit der Idee, Golla solle das Tempo drosseln, „was daraus wird, sehen wir am Samstag“, so der DHB-Spieler. Doch wer Golla kennt, weiß: Er wird alles geben.
Golla selbst schiebt die externen Erwartungen beiseite. „Mein Ziel war es, mich mit einem Titel zu verabschieden“, erklärte er. „Das ist die letzte Chance.“ Die persönliche Komponente, das Duell gegen seinen Jugendverein Melsungen, bleibe zwar immer besonders, doch während des Spiels zähle nur die 60 Minuten und der Wille, das Beste aus sich herauszuholen. Die Entscheidung, ob Golla mit Flensburg noch einmal in der Champions League spielen kann, liegt nun in den Händen seiner Mannschaft und seiner zukünftigen Konkurrenten.
Die Spannung ist greifbar, die Ausgangslage ungewöhnlich. Ein Finale, das weit über den reinen sportlichen Aspekt hinausgeht und die Zukunft des deutschen Handballsports beeinflussen könnte. Denn die Frage ist nicht nur, wer den Titel gewinnt, sondern auch, wer sich den dritten Platz in der europäischen Elite sichert – und damit Golla möglicherweise einen letzten, glanzvollen Auftritt in der Champions League ermöglicht.
