Goldrausch ist vorbei: forster fliegt im super-g raus
Cortina d’Ampezzo – ein Tag nach dem Abfahrtshöhenflug knallt Anna-Lena Forster auf irdischen Boden. Die deutsche Monoski-Queen vermasselt im Super-G der sitzenden Klasse den zweiten Lauf, trifft einen Buckel, verliert die Linie und rauscht ins Aus. Keine Medaille, nur Staub.
„Der sprung war zu groß“
Ihre Erklärung klingt wie ein Fahrplan, der sich in Luft auflöst: „Ich war überrascht über den weiten Sprung. Damit habe ich nicht gerechnet.“ Im Ziel wirkt Forster wie jemand, der eben noch auf Wolke sieben saß und nun mit offenen Augen auf Asphalt landet. Der Unterschied zur Abfahrt ist messerscharf: Fünf Hundertstel Vorsprung hatte sie dort noch auf Audrey Pascual Seco, nun lacht die Spanierin über 1:17,82 Minuten, während Forster nur zählt, was nicht mehr zählt.
Super-G bedeutet: ein Lauf, kein Training, keine Probe. „Da kannst du dir nicht wie in der Abfahrt vorher anschauen, wie die Sprünge sind“, sagt sie. Die Piste im Tofane Alpine Skiing Centre zeigt sich ohnehin schon ramponiert, die Temperaturen klettern, die Zeitplanung wird vorgezogen – alles Faktoren, die Forsters Sturz in die Bedeutungslosigkeit beschleunigen.

Pascual seco zieht davon
Die Gold-Fahrt der Spanierin liest sich wie ein Konter auf Forsters gestrigen Triumph: 6,32 Sekunden Vorsprung auf Momoka Muraoka, 7,09 auf Liu Sitong aus China. Zahlen, die Forster wie eine Ohrfeige treffen. Die 30-Jährige bleibt trotzdem auf Kurs: „Ich werde den Super-G nochmal analysieren und morgen von der Mentalität her genau gleich angehen.“ Dienstag ist Super-Kombination, da will sie zurück aufs Podest.
Die deutsche Delegation baut sich trotzdem nicht auf Forster allein auf. Im Biathlon sammelt das Team bereits Bronze im Dreierpack, und auch sonst klingt das Klappern der Medaillen durch Cortina. Doch die Geschichte, die alle erwartet hatten – Forsters Doppelcoup –, schreibt sich nicht weiter. Stattdessen bleibt ein Loch im Schnee und eine Athletin, die weiß: Gold ist flüchtig, aber die nächste Abfahrt kommt schneller, als man denken mag.
